Page - (000479) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
Image of the Page - (000479) -
Text of the Page - (000479) -
Am 4. Oktober. 477
wo er sich mit seltener Aufopferung dem Dienste der Kranken, zu-
mal der Aussätzigen, widmete. Ein ehemaliger Bekannter beschenkte
ihn da mit einem Gewände. Er wollte den früher gefaßten Ent-
schluß, die Damianskirche wieder herzustellen, nicht unausgeführt las-
sen; kehrte daher nach Assisi zurück, sprach gute Menschen um Bei-
träge an, und brachte so viel zusammen, daß er nicht nur diese
Kirche, sondern noch eine andere, welche zu Ehren der Muttergottes
geweiht, ungefähr sechshundert Schritte von Assisi entfernt, am Fuße
eines Berges gelegen, von den Benediktinermönchen verlassen, und
von dem Orte, auf dem sie stand, Portiunkula genannt war; und
endlich eine dritte, die zu Ehren des heiligen Petrus erbaut worden
war, in ordentlichen Stand sitzen konnte. Obgleich sein Körper
durch Bußstrenge wie abgezehrt war, so unterzog er sich doch bei
diesen Bauten den schwersten Verrichtungen, indem er sehr oft den
Werkleuten als Handlanger diente. Er wählte den verlassenen Ort
Portiunkula, an dem er die Kirche bei Unserer lieben Frau zu den
Engeln genannt,, herstellen ließ, zu seinem Ausenthalte. Da kräf-
tigte er seinen Geist durch Gebeth und Betrachtung, und genoß viel-
fältig himmlische Tröstungen. Er hatte daselbst bei zwei Jahren
in großer Bußstrenge gelebt, als während der heiligen Messe bei
Anhörung des Evangeliums die Worte des Sohnes-Gottes: „ Ihr
sollet weder Silber noch Gold besitzen, noch Geld in euern Gür-
teln; — ihr sollet auch keinen Reisesack auf dem Wege, weder zwei
Röcke, noch Schuhe, noch einen Stab haben; denn der Arbeiter ist
seiner Speise werth" (Match. 10, 9. 10), einen ungewöhnlich tie-
fen Eindruck in sein Gemüth machte. Er warf, bis auf sein ärm-
liches Gewand, Alles von sich, umgürtete sich mit einem Stricke,
und sing jetzt an, auch durch Worte Andern Buße zu predigen.
Seine Rede war nicht zierlich, aber so nachdrücklich, so ganz aus
der Fülle des Herzens, daß sie tief erschütterte. Bald bekam er
Nachfolger, die seiner Führung sich überließen. Der erste war ein
angesehener Bürger von Assisi, mit Namen Bernhard. Dcssen Bei-
spiele folgten Petrus von Catanca, Domherr bei St. Rufin, und
Aegidius, der, obgleich in den Wissenschaften ein Fremdling, einen
hohen Grad christlicher Vollkommenheit erstrebte. Diesen dreien gab
Franziskus einige Satzungen, und weil seine Absicht war, in Verbindung
mit ihnen, Sünder zu bekehren, so ordnete er den Bernhard und
Peter zu diesem Geschäfte nach Romagna ab; den Aegid aber nahm
er mit sich in die Mark Ankona. Aller Orten, wo sie hinkamen,
verkündigten sie die unbegränztc Liebe Gottes, vertheilten Alles, was
sie hatten, und litten dabei für sich selbst großen Mangel.
Manche bewunderten ihre strenge Lebensweise, und bewiesen ih-
nen liebevolle Verehrung; Andere hingegen überhäuften sie mit Spott
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen