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480 Der heilige Franziskus von Assis :c.
Nach vollendetem Ordenskapitel vertheilte Franziökus die Bru
der zum Predigtamte in die verschiedensten Provinzen, ja selbst nach
Griechenland, Syrien, Afrika u. a. Er versah sie mit Briefen an
die Bischöfe und an die Geistlichen jeden Ortes, mit der Bitte, sie
gut aufzunehmen, und das Predigen ihnen zu gestatten, und an die
Magistrate, denen er die Vergänglichkeit des Irdischen vorstellte,
und andere heilsame Ermahnungen ertheilte. Er selbst wollte die
heiligen Orte besuchen, und reiste daher, begleitet von cilf Brüdern,
mit einer Abtheilung Kreuzfahrer im Jahre 1219 nach Damiate,
welche Stadt eben von den christlichen Kriegshecren belagert wurde.
Da sagte er diesen eine unglückliche Schlacht voraus, die auch wirk-
lich erfolgte. Gerade in diesem Zeitpunkte, da der Sultan Meledin
gegen die Christen aus's Höchste erbittert war, ging der muthvolle
Diener Gottes, mit seinem Schüler Illuminatus, in dessen Lager,
wo er auf sein Verlangen, jedoch nach vielen Mißhandlungen, je>
nem vorgestellt wurde. Als der Sultan ihn fragte, wer ihn ge:
sandt habe? antwortete er: „Der Allerhöchste hat mich geschickt, daß
ich dir und deinem Volke den Weg des Heils zeige." Meledin er-
staunte über den so seltenen Muth, hörte den apostolischen Mann
einige Tage geneigt an, und lud ihn ein, bei ihm zu bleiben.
„Wenn du dich/- erwiederte darauf Franziskus, „mit deinem Volke
bekehren lasten willst, will ich gerne Jesu Christo zu Lieb bei dir
bleiben. Hast du Bedenken, den mahumedanischen Aberglauben zu
verlassen, und dem Gesetze des Gekreuzigten zu huldigen, so lasse
einen großen Scheiterhaufen anzünden, in welchen ich, mit deinen
Imans (mahumedanischcn Religionsdienern) mich stürzen will; da
wirst du dann sehen, welche Religion du annehmen sollst." Da
keiner der Imans sich hiezu entschließen wollte, sprach er weiter:
„Willst du mir für dich und dein Volk versprechen, den christlichen
Glauben anzunehmen, wenn ich gesund und unverletzt aus dem bren-
nenden Scheiterhaufen kommen werde; so stürze ich mich ganz allein
hinein. Sollte ich zu Grunde gehen, so muß dieser Unfall meinen
Sünden zugeschrieben werden; erhält mich aber Gott am Leben, so
müßt ihr Jesum Christum für den wahren Gott, .und für den Hei-
land der Menschen erkennen." Der Sultan ging diese Bedingniß
nicht ein, weil er einen gefährlichen Aufstand unter dem Volke be-
fürchtete. Er entließ den Heiligen, nachdem er ihm vergebens Ge-
schenke angeboten hatte, mit den Worten: „Bethe fljr mich, daß mir
Gott eine ihm wohlgefälligere Religion eingeben möge."
Nach der Rückkehr aus dem Morgenlande hielt der Heilige
wieder ein Ordenskapitel zu Assis!, auf welchem er zuerst dem Elias,
dem er vor seiner Abreise ins gelobte Land die Leitung der Or-
densangclegenheiten übergebe» hatte, seines Amtes entsetzte, weil er,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen