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484 Der selige Hermann Joseph, Mönch.
belebt. Der vielen körperlichen Arbeiten ungeachtet kasteiete er sei:
nen Leib durch strenges Fasten, welches er aber vor dem Bruder,
der mit ihm zum Dienste des Refektoriums bestellt war, dadurch zu
verbergen wußte, daß er, während er mit demselben essen sollte, sich
Verschiedenes zu thun machte, und ihn in der Meinung ließ, daß
er vorher schon gegessen habe, oder nachher essen werde. Hermann
erwarb sich das Vertrauen seiner Obern in einem solchen Grade,
daß ihm nach einiger Zeit das wichtige Amt eines Sakristanü über:
tragen wurde. Da fand er Anlaß und Zeit genug, seinen Geist
durch Gebeth und heilige Betrachtung zu nähren. Er that es,
nicht nur in den durch die Klosterordnung festgesetzten Gcdetlis: und
Bctrachtungsstunden, sondern in jeder andern Zeit, welche seine Ge:
scha'fte ihm übrig ließen, und in vielen Stunden der Nacht, welche
er der körperlichen Ruhe entzog, mit einem Eifer, durch den er seine
Mitbrüder in große Verwunderung setzte, und mächtig erbaute. Er
verfaßte verschiedene Gebethe und Betrachtungen, zumal auch auf
die göttliche Mutter, die er fortwährend, wie in seiner ersten Ju-
gend, mit der zärtlichsten Andacht verehrte. Einige dieser geistlichen
Arbeiten z. B. zwölf Dankgebcthe zu Jesus Christus, Betrachtun:
gen über fünf Freuden Maria, sind auch auf uns gekommen. Sie
zeugen von dem kindlichen Sinne ihres Verfassers gegen Gott, ge-
gen den Mensch gewordenen Sohn Gottes, und dessen heilige Mut:
ter. — Dabei bezähmte er seine Sinnlichkeit, nebst dem Fasten,
auch durch mancherlei andere Abtödtungen. Er schlief auf dem har:
tcn Boden, und ein Stein diente ihm zum Kopfpolster. Sehr oft
war es nur eine Stunde, in der er seinem Körper die nächtliche
Ruhe gestattete. Je mehr er seinen Leib züchtigte, desto kräftiger
ward sein Geist in der innigen Vereinigung mit Gott, und der ste:
ten Anschauung des Göttlichen; in dem unverrückten Hinblick auf
das Erbe des ewigen Reiches Gottes. — In hoher Bewunderung
seiner vollkommenen Rechtschaffenheit und seiner zärtlichen Liebe
gegen die jungfräuliche Mutter, durch die er dem Nährvater Jesu
Christi so ähnlich ward, legten die Brüder ihm den Namen Io-
seph bei.
Der fromme Diener Gottes war, wie seit vielen Jahren, auch
m den Fasten des Jahres 1226, obgleich schon sehr schwach, nicht
zu bereden, etwas Anderes zu genießen, als Brod, Obst, und leich-
tes Bier. Dabei setzte er die geistlichen Uebungen, wie er es ge:
wohnt war, fort. Gegen das Ende der Fastenzeit wurde er in das
Kloster Hoven, auf dringendes Verlangen der dortigen Klosterfrauen,
von dem Abte geschickt, auf daß er die geistlichen Verrichtungen be:
sorge. Kaum war er ins Innere des Klosters eingetreten, als er
mit seinem Reisestab die Form eines Grabes auf den Boden zeich:
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen