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486 Der heilige Antonius von
begab sich in jenes zum heiligen Kreuze zu Coimbra. Da widmete
er sich mit großem Fleiße den geistlichen Wissenschaften, in welchen
er, sowie in der Vervollkommnung seines Gemüthes, glänzende
Fortschritte machte. Eben da bildete er sich auch zum vortrefflichen
Redner.
Der heilige Franziskus von Assist hatte, wie in dessen Lebens-
geschichte erwähnt worden ist, einige Ordcnsgenoffcn nach Marokko
zur Verkündigung des christlichen Glaubens geschickt. Fünf derselben
wurden von den Ungläubigen getödtet, und ihre Leichen von Don
Pedro, Infant von Portugal, nach Coimbra gebracht. Dadurch
wurde in Antonius eine heftige Sehnsucht erregt nach gleichem Heile
durch Martertod, und eine sehr große Hochschätzung gegen den Or-
den der niedern Brüder, in den er aufgenommen zu werden wünschte.
Balö zeigte sich dazu eine erwünschte Gelegenheit. Einige Mönche
dieses Ordens kamen in das Kloster des heiligen Kreuzes, Almosen
zu erbitten. Dieftn offenbarte er sein Verlangen. Sie freuten sich,
einen so hoffnungsvollen Genossen zu erhalten, und gaben ihm, nach-
dem er von seinem Prior die Einwilligung hiezu ersieht hatte, im
Jahre 1221 ihr Ordcnsklcid. Er nahm den Namen Antonius an,
auf daß er seinen Eltern und Verwandten verborgen bleibe, und
wurde auf eigenes Begehren in das Kloster des heiligen Antonius
zu Olivares geführt. Mit jedem Tage ward noch mehr entflammt
seine Begierde nach der Marterkrone, und daher auch dringender
sein Flehen um die Erlaubniß, in Afrika das Evangelium verkündi-
gen zu dürfen, wo er jener Gnade von Gott gewürdiget zu werden
hoffte. Die Erlaubniß wurde ihm von den Obern ertheilt. Voll
des heiligen Eifers trat er die Reise an. Der göttlichen Vorsehung
gefiel es aber, ihn heimzusuchen mit einer langwierigen Krankheit,
die ihn nöthigte, zurückzukehren. Er wollte in Spanien landen;
allein das Schiff wurde durch einen gewaltigen Sturm an die Küste
Sicilicns getrieben, und landete zu Messina. Kaum hatte er da
vernommen, daß nächstens ein Gcneralkapitel zu Assis« gehalten
werde, als er, obgleich sehr schwach, sich aufmachte, und dahin rei-
sete. Nach vollendetem Generalkapitel wurden die übrigen Brüder
in verschiedene Provinzen zum Predigtamte ausgesendet. Antonius,
der in der Nähe des heiligen Ordcnsstifters zu bleiben wünschte,
bot sich den Provinzialen und Guardiancn Italiens an; allein kei-
ner verlangte ihn, weil er allen unbekannt war. Deßhalb bat er
den Gratian, der die oberste Aufsicht über die Ordensbrüder in Ro-
magna hatte, daß er dessen Leitung sich unterwerfen dürfe. Weit
entfernt, seine Kenntnisse anzunchmen, oder seine andern vortrefflichen
Gabcn bemerklich zu machen, erklärte er, daß er nichts wisse, nichts
wissen wolle, und nichts suche, als nur Jesum Christum, den Ge-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen