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Die heilige Elisabeth,
L a n d g r ä f i n v o n H e s s e n u n d T h ü r i n g e n .
(Am Iv. Noucmbcr.)
Wie manchmal eine schöne liebliche Blume im wilden Dornge-
büsche aufwachst, so glänzt oft ein Mensch durch Frömmigkeit und
Tugend auch in jenen Zeiten, in welchen Unwissenheit, Nohheit und
Lasterhaftigkeit beinahe allgemein herrschend sind. In solcher Zeit
glänzte Elisabeth, Landgräsin von Thüringen und Hessen, so schön,
daß sie für die Menschen aller andern Zeiten als ein nachahmungs-
würdiges Muster des wahren christlichen Glaubens, und eines voll-
kommenen christlichen Wandels dargestellt zu werden.verdient. —
Sie erblickte das Tageslicht im Jahr 1207 auf dem Schlöffe zu
Prcßburg. Ihr Vater war Andreas I I . , König von Ungarn, ihre
Mutter, Gertrud mit Namen, eine Prinzessin Bertholds IV. , wel-
cher sich von einem Grafen von Andechs zur Würde eines Herzogs
von Mcran emporgeschwungen hatte. Beide waren der christlichen
Religion zugethan, die sie höher, als ihre Königskronen schätzten.
Glänzend war der Adel, den Elisabeth von ihrer vornehmen Ab-
kunft hatte; aber viel heller, als dieser, glänzte der Adel ihrer Seele,
den sie sich durch große Tugenden von Jugend an, bis zu ihrem
Grabe, verschaffte. — Nur kurze Zeit war sie unter der Pflege ih-
rer Eltern, welche aber auch in dieser kurzen Zeit durch ihre zärt-
liche Sorge es zeigten, daß sie des schönen Vater, und Mutterna-
mcns werth seyen. — Schon im Jahre 1211 gaben sie ihre Toch-
ter nach Thüringen, an den Hof des dortigen Landgrafen Hermann
zur Erziehung, weil sie schon, nach der Sitte jener Zeit, an den
noch viel ältern Sohn des Landgrafen versprochen war. Nach ihrer
Ankunft auf der Wartburg, wo der Landgraf seinen Hof hielt, wur-
den die beiden jungen Verlobten, Ludwig und Elisabeth zu mehre-
rer Sicherheit ihrer Verbindung mit einigen Kirchenceremonicn ein-
gesegnet. — .
Elisabeth fand eine so gute und sorgfältige Erziehung, wie
sie unter fremden Händen sonst selten gefunden wird, und die
sie selbst bei ihren eigenen, sonst so guten Eltern vielleicht nicht ge-
funden haben würde, besonders wenn die Alles verderbende blinde
Elternliebe mit in's Spiel gekommen wäre. Eine rechtschaffene
Frauensperson wurde zur Erzieherin, und der fromme Priester (5on-
rad zum Hofmeister des guten Mädchens bestimmt. Mit großer
Sorge wurde von diesem die leibliche und geistliche Erziehung des-
selben besorgt, und unter dieser Sorge wuchs es gesund und kraft-
voll, wie der gutgepfiegte junge Baum, heran, wurde taglich ge-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen