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Am 19. November. 4l),;
mung hart heimgesucht. Da zeigte sich das mitleidsvolle Herz der
guten Landgräfin im herrlichsten Glänze. Sie ließ vor Eisenach,
am Fuße des Berges, auf welchem die Wartburg liegt, ein Hospi-
tal für acht und zwanzig arme und sieche Menschen erbauen, die sie
oft mit eigener Hand wartete und pflegte. Eben so stiftete sie das
außerhalb der Stadtmauer am Georgenthor zu Eisenach liegende
Spital St. Anna für arme und verlassene Personen, die eine Zu:
fluchtsstätte für ihr Alter bedurften. Die Einrichtung der, ganz am
Ende des Steiges vor dem Georgenthore gelegenen Kapelle zum
heiligen Geiste, mit dem damit verbundenen Armenhause, welches
sonst das Hospital der Weibersiechen genannt wurde, wird der wohl-
thätigen Elisabeth ebenfalls zugeschrieben. Unter der Wartburg ließ
sie damals auch einen Brunnen fassen, welcher noch der Elisabeth-
brunnen genannt wird. Ueberdas wurden in jener Theuerung täg-
lich bei 900 Arme von ihrer Tafel, und zwar in ihrer Gegenwart
gcspeiset. Oft gab sie sogar den Dürftigen die Kleider hin, die sie
am Leibe trug, und vertrat freiwillig die Pathenstelle bei armen
Leuten, um ihnen größeres Zutrauen einzustoßen, und ihnen mehr
Gutes thun zu können. Einst verwendete sie an einem Tage 04000
Goldgulden zur Erleichterung der Nothleidenden. Bei der Zurück-
kunft ihres Gemahls aus Italien suchten ihm verschiedene Personen
die Wohlthätigkeit seiner Gemahlin auf der gehässigen Seite, als
Verschwendung vorzustellen. Der gleich gutthätige Ludwig aber
antwortete ihnen: »Lasset meine gute Elisabeth armen Menschen Gu-
tes thun; was sie um Gotteswillen der Armuth thut, da sage Nie-
mand etwas dawider; wenn sie nur Wartburg, Eisenach und Naum-
bürg nicht verschenkt, bin ich's wohl zufrieden."
Ein Prinz, Namens Hermann, und drei Prinzessinnen, deren
zwei den Namen Sophie führten, die dritte aber Gertrud hieß, wa-
ren die Unterpfänder der treuen und zärtlichen Verbindung des Lud-
wig und der Elisabeth. Gesund und unverdorben an dcm Leibe,
und gut an der Seele war der Baum; wie viel Gutes konnte also
von den Früchten erwartet werden? Diese Kinder hatten keine
Sünde der Eltern zu büßen, und keine böse Leidenschaft war ihnen
von denselben angeerbt. Heilige Pflichten waren der gottesfürchtl-
gen Elisabeth die Mutterpflichtcn. Die meiste und wichtigste Be-
schäftigung fand sie in der Pflege ihrer Kinder, und in der Sorge
für ihre gute Erziehung. Der Sohn Hermann ward in der Folge
Landgraf von Hessen und Thüringen; Sophie, die ältere, Herzogin
von Brabant; Sophie die jüngere, Äbtissin im Kloster Kitzingen;
und Gertrud Äbtissin im Kloster Altenberg. Bereits sechs Jahre
hatte Elisabeth mit ihrem Ludwig in ungestörtem Frieden durchlebt,
als dieser,, im Jahre 1227 die Aufforderung erhielt, mit seinem
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen