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502 Der heilige Edmund, Erzbischof von Canterbun.
Eifer mid in aller Tugend. Er versäumte keine der Verrichtungen
^eb dciligcn Amtes, übertrug keine einem Andern, wenn er sie selbst
verrichte!! konnte, und vollbrachte alle mit hoher Würde zur allge-
meinen Erbauung. Von der bisher geübten einfachen Lebensweise
wich er nicht ab, die Werke körperlicher Abtödtung vermehrte er,
und eben so die gottseligen Uebungen des Gebethes und der geistli-
chen Betrachtung. Jedermann fand bei ihm, an jedem Orte, wenn
er reisete, sogar auf der Straße, geneigtes Gehör. Das Anliegen
siinö Jeden machte er zu seinem eigenen. Er theilte täglich reiche
Gaben an die Armen aus, schickte den dürftigen Kranken Speisen
mW Geld in ihre Wohnung, verschaffte rechtschaffenen Jungfrauen
anständige Versorgung, und entriß dadurch viele dem Verderben.
Es wurden ihm oft Geschenke angeboten; nie aber war er zu be-
wegen, eines anzunehmen. Er pflegte zu sagen: »Empfangen und
hangen (>)i^iisl«'l'ß et ^rnllcro) sind nur um eine Sylbe von ein-
ander unterschieden, und eben so nahe liegt nicht selten eine Schuld,
die das Hängen verdient, der Annahme der angebotenen Geschenke."
Lange Zeit war es dem eifrigen Erzbischofe vergönnt, das heilige
Amt ohne Widerspruch und ungestört zu verwalten. Jetzt aber
sollte die Treue und die Geduld des Knechtes Gottes im Feuer er-
probt wcrden. Durch feste Handhabung der kirchlichen Gerechtsa-
men reizte er gegen sich den König »nd dessen Anhänger. Er setzte
ihrem bösen Beginnen unerschütterliche Geduld und die bereitwilligste
Liebe entgegen. Endlich traten Umstände ein, welche ihn veranlaß-
ten, England zu verlassen, und nach dem Beispiele seines Vorfah-
rers , des heiligen Erzbischofs Thomas, in Frankreich eine sichere
Zuflucht zu suchen. Er fand sie in der Abtei Pontigni in der
Champagne, wo er sehr liebevoll aufgenommen wurde, sich eine län-
gere Zeit aufhielt, fast immer dem Gebethe und der geistlichen Be-
trachtung oblag, und öfters auch predigte. Als er wegen der bren-
nenden Sommerhitze krank wurde, ließ er sich auf Anrathcn der
Aerzte, um eine gemäßigtere Luft zu athmen, in das Kloster Soiffac
bringen. Allein nicht lange war er da, als ihn Gott zur ewigen
Ruhe rief, im Jahre 1242 am l.6. November. Da er Pontigni
verließ, waren die dortigen Mönche über seinen Verlust sehr be-
stürzt. Er beruhigte sie mit der Versicherung, daß er am Feste
des heiligen Königs und Märtyrers Edmund wieder bei ihnen seyn
werde. An eben diesem Tage wurde seine Leiche nach Pontigni ge-
bracht, und daselbst sehr feierlich beerdigt. Nur sein Herz ward in
Soissac zurückbehalten. Als vor seinem Ende die heilige Wegzeh-
rung zu ihm gebracht wurde, streckte er seine Hände nach ihr aus,
und sprach: ,)Herr, du bist's, an den ich geglaubt, den ich als den
Verehrungs: und Liebenswürdigsten verkündiget habe. Du bist mein
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen