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Am 17. Oktober. 505
Dienerinnen Gottes, und daher auch zu guten und nützlichen Glie-
dern der menschlichen Gesellschaft zu bilden. Die meisten segneten
sie in spatern Jahren noch dankbar als ihre gute Mutter. Sehr
oft verfügte sich Hedwig, als ihr Gemahl noch lebte, auf einige
Zeit in dieses Kloster, theils zu ihrer Erbauung, theils um wohl:
thätige, oder auf andere Weise segensreiche Anordnungen zu machen.
Jedesmal wohnte sie in dem Kloster als Schwester unter den Schwe-
stern. Nach dem Tode Heinrichs zog sie ganz und für immer da-
hin , wählte sich eine Wohnung nahe bei dem Kloster, legte das
Ordensgewand an, aber nicht die Gelübde ab, auf daß sie die Frei-
heit habe, mit ihrem großen Vermögen ungehindert den Armen zu
helfen, und anderes Gute zu thun. — In den Armen ehrte sie
wahrhaft, wie das Evangelium es fordert, ihren Heiland. Nicht
nur spendete sie ihnen reichliche Almosen, sondern bediente sie sehr
oft mit eigenen Händen, auch dann, wenn sie eckelhaft »nd krank,
oder mit abschreckenden Gebreche» behaftet waren. Gegen ihre Un-
tergebenen bewies sie eine liebenswürdige Sanftmuth, gegen ihre
Feinde zuvorkommende Versöhnlichkeit, und in allen Leiden unerschüt-
terliche Geduld, mit vollkommener Ergebung, immer nur anbethend
die Fügungen der göttlichen Vorsehung. Als einst ihr Diener drei
silberne Becher verloren hatte, sagte sie ihm, ohne einigen Ausdruck
des Unwillens, nur: geh', suche fleißig, ob du nicht findest, was du
nachlässig verwahrt hast! Ward ihr eine Unbild zugefügt, so sprach
sie gewöhnlich: Warum hast du das gethan? Gott verzeihe es dir!
Bei widrigen und unglücklichen Ereignissen zeigte sie sich immer,
weil vertrauend auf Gott, starkmüthig und entschlossen. Als sie die
traurige Nachricht erhielt, ihr Gemahl sey bei einem Kriegszuge
schwer verwundet, und von dem Herzoge Konrad gefangen worden,
sagte sie: „Ich hoffe, daß Gott ihn bald befreien, und seine Wunde
heilen werde." Konrad wollte unter keiner Bedingung, und für
kein Lösegeld den Gefangenen entlassen, und die Unterthanen Hein-
richs rüsteten sich schon, ihren geliebten Herrn mit Gewalt zu be-
freien. Hedwig aber schauderte zurück vor neuem Blutvergießen,
machte sich auf, und verfügte sich, entschlossenen Muthes, selbst zu
Kourad, der mehr durch den Anblick des tugendhaften Weibes, und
durch ihre Entschlossenheit, als durch deren Worte bewogen wurde,
den Heinrich in Freiheit zu setzen. Dieser starb im Jahre 1238,
und drei Jahre später verlor auch ihr Sohn Heinrich in einer uin
glücklichen Schlacht mit den Tartaren das Leben. Diesen wie je-
nen, hatte sie zärtlich geliebt, und an Beiden, wie die Welt zu ur-
theilen pflegt, sehr viel verloren. Ohne auch nur ein Wort un-
christlicher Klage hören zu lassen, unterwarf sie sich willig d»r Fü-
gung Gottes, und als sie die Gemahlin des getödtetcn Sohnes und
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen