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524 Die Heiligen: Petrus Nolaskus und Raymund :c.
den göttlichen Schriften, bezähmte seine Sinnlichkeit durch Verschiß
dcne Werke strenger Abtödtung, und kräftigte seinen Geist durch den
vielmaligen Gebrauch der heiligen Sakramente. Während seines
Aufenthaltes in Barcelona war fein Gewisscnsrath und Beichtvater
der heilige Ravmund von Pennafort, dessen Leitung cr sich in De:
muth unterwarf, und ohne dessen Rath er nie etwas Wichtiges un-
tcrnahm.
Raymund von Pennafort (Pegnafort) erblickte das Tageslicht
im Schlosse Pennafort, in Katalonien, im Jahre l17,">, und stammte
ab aus einem berühmten Geschlechte, welches mit den Königen von
Arragonicn in Verwandtschaft stand. Er widmete sich den Wissen:
schaftcn mit solchem Erfolge, daß er, obgleich erst zwanzig Jahre
alt, zum öffentlichen Lehrer der sogenannten freien Künste zu Bar:
celona bestellt wurde. Nach einigen Jahren begab er sich auf die
damals sehr berühmte hohe Schule zu Bologna, zum Studium der
geistlichen und weltlichen Rechtswissenschaften. Auch hier machte cr
so glänzende Fortschritte, daß er mit der Doktorwürde beehrt, und,
nachdem er einige Zeit unentgcldlich öffentliche Vorlesungen mit gro-
ßem Beifalle gehalten hatte, mit einer Besoldung als Lehrer ange-
stellt wurde. Der Ruhm seiner Gelehrsamkeit war bereits durch
ganz Italien schon verbreitet, als Bcrcngar, der Bischof von Bar-
celona, auf seiner Rückreise von Rom nach Bologna kam, und ihn
durch dringende Vorstellungen endlich beredete, in sein Bisthum zu-
rückzukehren. Gleich ausgezeichnet durch Tugenden und durch Wis-
senschaften, erlangte Raymund bald die allgemeine Hochschätzung und
das Vertrauen des Bischofes, der ihn zum Canonikus, und dann
auch zum Erzdiakon und Gcneralvikar seiner Kirche ernannte. Allein
diese Ehrenstufen waren seinem demüthigen Sinne zuwider. Er
lernte den Geist des Prcdigerordens kennen, und nichts war vermö-
gend, ihn von dem Eintritte in denselben zurückzuhalten. Am Lhar-
frcitag des Jahres 1222 empfing er, sieben und vierzig Jahre alt,
das Ordenskleid. Seinem Beispiele folgten Männer von großem
Ansehen und Verdienste, wodurch der in Barcelona erst neu einge-
führte Orden einen glänzenden Zuwachs erhielt.
Schon mehrmal ist in den vorangehenden Lcbensgeschichten an-
geführt worden, daß um diese Zeit sehr viele Christen sowohl in
Spanien als in Afrika und in den Morgenländern in der Sklaverei
der Mauren und Sarazenen seufzten, auf mancherlei Weise ihres
Glaubens wegen sehr hart gehalten wurden, und dadurch der Ge-
fahr ausgesetzt waren, denselben zu verlassen. Petrus Nol^ökus
ward tief bewegt von Mitleiden gegen sie, und faßte dcn Entschluß,
sich selbst und sein Vermögen der Befreiung derselben zu opfern.
Diesen Entschluß theilte er mit dem Raymund, seinem Beichtvater,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen