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Am 27. April. 541
sam und artig, so finden sie leicht gute Menschen, die sie in
ihre Dienste aufnehmen, und auf ihre fernere Versorgung liebreich
bedacht sind.
Zita benutzte sehr gut jede Gelegenheit, sich zu vervollkomm-
nen, «nd immer größere Geschicklichkcit sich eigen z:i mache». Sie
war überaus fleißig, achtsam und thätig in den ihr anvertrauten
Geschäften, und fortwährend sehr willig, auch bei denen, die unan-
genehm und beschwerlich waren. Sie scheute den Müßiggang als
eine Pest, und suchte sich, wenn eben keine nöthige Dienstgeschäste
zu verrichten waren, selbst etwas zur Hand, womit sie sich beschäf-
tigte. Heuchelei und eitle Ruhmsucht waren ihr ein Gräuel, weß-
halb sie bei ihrer unermüdeten Thätigkeit nicht den Augcndicnst zur
Absicht hatte. Eben so wenig war bloß zeitlicher Gewinn der Be-
weggrund ihres Fleißes, sondern Liebe zu Gott und zu ihrer Pflicht,
— treue Benützung der Zeit, und Furcht vor der Sünde. Darum
wurde ihr sichtbar zu Theil das Wohlgefallen und der Segen Got-
tes, so wie die immer wachsende Zufriedenheit, und das Zutrauen
ihrer Herrschaft. Sehr mitleidig bewies sich die gute Zita gegen
Nothleidende und Arme. Von ihrem eigenen Munde ersparte sie
Manches, um damit die Hungrigen zu speisen, und von ihrem Lied:
lohne theilte sie den größten Theil den Armen mit. Gewand, das
sie in einem so vornehmen Hause mit Anstand nicht mehr tragen
durfte, hob sie sorgfältig auf, um zu seiner Zeit einen Nackten da-
mit zu decken. Sehr schwer fiel es ihrem theilnehmenden Herzen,
einen Bedürftigen zu sehen, wenn sie eben nichts hatte, was sie zu
semer Erleichterung ihm reichen konnte. Da sann sie dann hin und
her, und immer gab ihr die Liebe etwas ein, wodurch sie ihn er:
quicken, oder wenigstens doch beruhigen konnte. Einmal ward sie
um ein Almosen angesprochen. Sie konnte aber dem Bittenden
nichts reichen, als einen Trunk frischen Waffers, durch den jedoch
der Arme so erquickt wurde, als hätte er den besten Wein getrun-
ken, und deßhalb der liebevollen Geberin herzlich dafür dankte. Die
Geschichte sagt, das Wasser, über welches Zita das Kreuzzeichen ge-
macht habe, sey wirtlich in Wein verwandelt wordeü. Der Brun-
nen , aus welchem sie das Waffer geschöpft hatte, wurde in den
neuern Zeiten noch unweit des Hauses der Fatinelli gezeigt, und
von frommen Pilgern häufig zur Erquickung benutzt. Als sie ein
andermal dem feierlichen Gottesdienste in der heiligen Chrisinacht
beiwohnen wollte, drang ihr Herr, nachdem er sie vergebens zu be-
reden gesucht hatte, wegen der großen Kälte zu Hause zu bleiben,
aus besonderer Güte ihr seinen eigenen Pelz auf, auf daß sie, in
denselben eingehüllt, vor Frost geschützt sey. In der Kirche bemerkte
sie neben sich einen armen Mann, der halbgeklcidet, und vor Frost
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen