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542 Die heilige Zita, Jungfrau und Dienstmagd.
zitternd, sich ihr nahte, und den Pelz berĂŒhrte. Das ging ihr tief
zu Herzen. Sie glaubte das Andenken des ebenso in Armuth
und in der KĂ€lte der Nacht geborncn Heilandes nicht wĂŒrdiger
feiern zu können, als wenn sie die frierende BlöĂe des Armen be-
deckte. Ohne MiĂtrauen, â denn die Liebe denkt nicht Arges, â
zog sie den Pelz aus, und hĂŒllte in denselben den zitternden Alten
ein, mit der Erinnerung, daĂ er denselben nach gcendigtem Gottes-
dienste wieder zurĂŒckgeben solle. Sie style die Andacht fort, sah
sich aber, als sie die Kirche vcrlaffen w, Ute, vergeblich »ach dem
Manne um. Voll Angst ging sie nach Hause, gestand offenherzig,
was geschehen sey, und ertrug den nachdrĂŒcklichen Verweis ihres
Herrn. Den andern Tag brachte dcr Arme den Pelz, reichte ihn
der Zita im Angesichte ihres Herru mit dem freundlichsten Danke,
und verschwand. Vermochte die mildthÀtige Dienstmagd nicht, selbst
zu helfen, so sprach sie Andere um Hilfe, Speise, Kleider :c. fĂŒr
die Armen an. Was doch die heilige Liebe tl^tt!
Obgleich Zita so groĂe VorzĂŒge hatte, so dachte sie doch von
sich selbst sehr gering; denn sie war, wie es jeder wahre AnhÀnger
Jesu seyn muĂ, von Herzen demĂŒthig. Es war ihr deĂhalb unan-
genehm, wenn sie gelobt, oder ihr ein Vorzug gegeben wurde. Nie
kam ein Wort des Eigenlobs aus ihrem Munde. Gerne gönnte sie
allen ihren Mitschwestern Ehre und Vorzug, und bot jeder derselben
chre besondern Dienste an. Nichts war ihr zu gering, oder zu be-
schwerlich, das sie, wenn es von ihr verlangt wurde, nicht mit freu-
diger Bereitwilligkeit erfĂŒllte. Sie fĂŒgte sich in Allem, was er-
laubt ist, mit VerlÀugnung des eigenen Willens, gerne nach dem
Willen Anderer. â Ihr Gewand war anstĂ€ndig, und immer rein-
lich; dabei aber einfach, und ihrem Stande angemessen, daher weit
entfernt, eitlen Sinn zu verrathen. Mit vieler Sorge bewachte die
heilige Zita ihre unbefleckte Reinigkeit. Kein freiwilliger, unreiner
Gedanke entweihte ihr Herz, kein schamloses oder zweideutiges Wort
besteckte ihre Lippen. Strenge bewahrte sie ihre Sinne, ihre Augen
von unreinen Blicken, ihre Ohren vor unlauter» Reden, und ihr
Herz, wenn sie denselben nicht ausweichen konnte, vor dem gefÀhr-
lichen Eindrucke derselben. Sie bezÀhmte ihre Sinnlichkeit, nebst
der Arbeit, durch MĂ€Ăigkeit im Genusse der Nahrungsmittel, durch
Fasten, durch einen BuĂgĂŒrtel, den sie fast bestĂ€ndig unter ihrem
GewÀnde trug, durch unterbrochenen Schlaf auf dem harten Boden,
und durch andere AbhÀrtungen des Körpers. Ihr ernstes, vorsichti-
ges und eingezogenes Betvagen, scheute jede ungebĂŒhrliche Zumu-
thung von ihr zurĂŒck. Zur fortwĂ€hrend standhaften Uebung aller
der glÀnzenden Tugenden, entstammte und stÀrkte sich die fromme
Zita durch Gebeth, und durch den vertraulichen Umgang, welchen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton MĂ€tzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen