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Am 14. Jul i . 549
chen Ausruf er zugleich auf die Zukunft des Knaben hinzuweisen
schien, den der Herr ihm geschenkt hatte, und der einst als ein
Stern erster Größe in seinem Orden glänzen sollte, in welchen er
auch, dem Wunsche der frommen Mutter gemäß, trat.
Seine außerordentlichen Talente bewogen seine Vorgesetzten,
ihn gleich nach seinem Probejahre auf die damals höchst berühmte
Universität zu Paris zu senden, woselbst er in kurzer Zeit eine so
tiefe Gelehrsamkeit erlangte, daß er, seiner jungen Jahre ungeachtet,
zum Lehrer der Gottesgclehrtheit erwählt, ward, und durch den hohen
Ruhm, den er daselbst erwarb, den Glanz der Universität nicht we-
nig erhöhte. Wie wohl dieser Ruhm begründet war, bezeugen noch
heut zu Tage die Schriften, die er der Nachwelt hinterließ, und die
von jeher als eine O.uclle der tiefsten Kenntnisse betrachtet, und viel:
fältig benützt wurden. Zu Paris lernte er den Thomas von Aquin
kennen, der, als ein glänzendes Genie, aus derselben Ursache von
den Vorgesetzten des Predigerordens dahin gesandt ward; und die
innigste Freundschaft vcrschwisterte diese beiden heiligen Seelen, die
aus reichen und adeligen Häusern entsprossen, der Welt in früher
Jugend entsagt hatten, Beide aus Schülern der Pariser Universität
hochbcrühmtc Lehrer an derselben, und späterhin Beide, ihrer tiefen
Einsicht wegen, zur allgemeinen Kirchenvcrsammlung nach Lyon, und
in demselben Jahre in die Versammlung der triumphircnden Kirche
des Himmels berufen wurden.
Im umgekehrten Verhältnisse mit manchen großen Gelehrten,
bei welchen das Wort des Apostels: „Die WV/scnschaft bläht auf,"
oft nur zu sehr in Erfüllung geht, ward Bonaventura je gelehrter,
desto demüthiger, da er durch jenes innerliche Licht belehrt ward,
das des Menschen Herz nicht nur erleuchtet, sondern auch mit heili-
ger Tugendgluth entflammt; und sein Lehrer, der berühmte Alexan-
der Halcs, sagte öfter von ihm: die Sünde Adams sey nicht bis
auf ihn gekommen. — Seine Erholungsstundcn brachte er gewöhn-
lich vor dem Altare zu; denn sein höchstes Vergnügen war, in tie-
fer Sammlung des Gemüthes, und oft unter heißen Andachtsthrä-
nen, in der Gegenwart des verborgenen Gottes zu weilen. Eine
der größten Freuden, die er erlebte, war daher die feierliche Ein-
setzung des Frohnlcichnam-Festes durch Papst Urban IV. Mit freu-
digem Herzen verfaßte er selbst einige Lieder zu dieser Feierlichkeit;
als aber der heilige Thomas von Aquin ihm die unübertrefflichen
Gesänge mittheilte, die er selbst für dieses Fest verfaßt hatte, Ge-
sänge, die wir noch heut zu Tage singen, und welche dem Ruhme
des englischen Lehrers vollkommen entsprechen, umarmte ihn Bona-
ventura freudig, verbrannte Alles, was er selbst geschrieben hatte,
und sagte, es sey nicht würdig, mit diesen wunderbaren Liedern ver-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen