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550 Der heilige Bonaventura, Cardinal :c.
glichen zu werden. Wiewohl, des großen Glanzes wegen, der durch
seine Berühmtheit auf den Orden zurückstrahlte, seine Vorgesetzten
ihn von den gewöhnlichen Beschäftigungen der Brüder freisprachen,
so war dennoch Niemand eifriger, alü er, dieselben in aller Demuth
des Herzens zu erfüllen. Nie unterließ er ein Werk dev ^'de, das
er zu thun vermochte, zumal gewährte es ihm einige Freude, Kran:
ken beizustehen; und je ansteckender die Krankheit, desto eifriger er-
zeigte sich seine Liebe. Auch war es seine Licblingsache, die niedrig.-
sten Dienste dcs Hauses zu verrichten; und nicht wenig erstaunten
die Gesandten des Papstes, welche ihm späterhin, als er bereits
Ordensgeneral war, den Cardinalhut überreichten, da sie ihn in der
Klosterküche fanden, wo er, mit einem Linnen umgürtet, eben das
Geschirr abspühlte, und sie mit freundlichen Worten ersuchte, den
Hut indeß an die Wand zu hängen, bis er mit diesem Geschäfte
zu Ende sey.
Bonaventura hatte erst dreizehn Jahre im Orden verlebt, als
dieser den, von Gelehrten und Heiligen hoch verehrten, wiewohl erst
fünf und dreißigjährigen Doktor, als seine höchste Zierde betrachtete,
und in einem Capitel, bei welchem Alexander IV. selbst den Vorsitz
führte, ihn einstimmig zum Ordensgeneral ernannte. Höchst denk:
würdig und zu dem Wesen dieses Ordens gehörig, sind seine noch
vorhandenen Schriften über die Gesetze und Gebräuche dieses Or:
dens, und ein überaus liebreiches, und von oben her erleuchtetes
Gemüth, spricht überall sich darin aus. Nicht minder gründlich und
gelehrt ist auch seine Schutzschrift für die Bettclordcn, die er mit
dem heiligen Thomas von Aquin gegen die heftigen Schmähungen
Wilhelms von Saint Amour, und Gerhards von Abeville, schrieb,
und worin er die Mönche vertheidigt, die nach dem Beispiele (Ihristi
und der Apostel, kein Eigenthum besitzend, dadurch selbst der natür:
lichcn Begierlichkeit jeden Zugang verwehrten, und um so mehr be:
rcchtiget sind, von milder Spende des Nächsten zu leben, als sie
dem Seelcnhcilc des Nächsten sich widmen, ohne, wie die Apostel,
unmittelbar vom heiligen Geiste belehrt zu seyn, und daher die Zeit,
welcher sie, außer dem Gebethe, zu vorbereitenden Studien bedürfen,
nicht auf Handarbeiten verwenden können.
Zu einer bewunderungswürdigen Höhe erhoben Bonaventuras
unablässige Bemühungen den Orden des heiligen Franziskus, wel:
cher kurz nach dieser Zeit an Märtyrern, Heiligen, und gelehrten
Männern fruchtbar ward; und auf seinen mühesamcn Reisen in die
verschiedensten Provinzen von Europa wirkte er durch sein großes
Ansehen und seinen Ruf, der überall ihm zuvorkam, die auffallendste
Sittenverbesserung. Oft führte er, bei den Gläubigen himmlische
Sehnsucht anzuregen, die liebreichen Worte im Munde: .,Gott selbst,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen