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Am 14. Jul i . 551
die seligen Geister, und alle Inwohner des himmlischen Hofes freuen
sich des Augenblickes, wo wir an ihrer Seligkeit Theil nehmen wer-
den. Sollen denn nicht auch wir aus ganzer Seele uns sehnen, in
ihre Gesellschaft zu kommen? O wie sehr werden wir uns schämen,
wenn wir bei ihnen ankommen, und nicht schon hier unser ganzes
Herz nach dieser glückseligen Heimath gerichtet haben!" Vorzüglich
strebte er auch dahin, die Verehrung der allerseligstcn Jungfrau
überall einzuführen, oder zu vermehren, und er selbst schrieb überaus
schöne Werke zu ihrem Lobe, unter welchen sein Spiegel der seligsten
Jungfrau Maria, seine Tagzeiten, und sein Marianischer Psalter
höchst anziehend sind.
Es ist überhaupt kaum zu begreifen, wie unter so vielfältigen
Geschäften, dcr Eine Mann Zeit gewinnen konnte, den Schatz der
kirchlichen Schriften mit einer so großen Anzahl so erhabener und
tief gedachter Werke zu bereichern. Er war der Erste, der das Le-
ben des göttlichen Heilandes in Betrachtungen verfaßte, und ein
glühend andächtiges, kindliches und göttlich erleuchtetes Gemüth
spricht überall darin sich aus, und begründet zur Genüge den Titel
des seraphischen Lehrers, mit welchem die Kirche ihn verehrt. Er-
staunt über eine so tiefe Gelehrsamkeit, und eine so ungemcine Sal-
bung, fragte ihn einst dcr heilige Thomas von Aquin: aus welcher
Quelle er die göttliche Fülle und Wohlredenheit sckö'pfte, die seine
Schriften so überaus anziehend machten. Da fl^lte Vonavcntura
ihn vor ein Krucifix, und sagte: „Sich, mein Bruder! dieß ist das
große Buch, woraus ich Alles lerne, was ich lehre." Ein ander-
mal, als dieser sein heiliger Freund chn besuchte, und erfuhr, daß
er gerade an der Lcbcnsgeschichte des heiligen Franziskus arbeite,
kehrte er zurück, und sprach zu seinem Begleiter: »Lassen wir
den Heiligen für den Heiligen arbeiten, es wäre Sünde, ihn zu
stören."
Indeß ward im Morgcnlandc immer mehr und mehr an der
Wiedervereinigung der griechischen Kirche mit der Mutterkirche zu
Rom gearbeitet, und Papst Gregor X . , welcher Clemens IV. in
dcr Regierung gefolgt, beschied den heiligen Bonaventura, so wie
den heiligen Thomas von Aquin, zu der in dieser Hinsich', berufe-
nen Kirchenversammlung nach Lyon. Der heilige Thomas starb auf
der Reise dahin; der heilige Bonavcntura hingegen mußte dem ge-
messenen und unwiderruflichen Befehle des Papstes sich fügen, die
Cardinalswürdc, und das Bisthum Albano annehmen, und mit dem
Papste nach Lyon sich verfügen. Es war dieß eine der zahlreichsten
und glänzendsten Versammlungen, die je in der Kirche gesehen ward.
Fünfhundert Bischöfe, tausend mindere Prälaten, eine verhältniß-
mäßige Anzahl Doktoren, und außer diesen Gesandte aus Frankreich,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen