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534 Der heilige Philippus Benitius, Mönck.
der Buße, begaben sie sich nach Verlauf eines Jahres auf den Berg
Senario, sechs Meilen von der Stadt, und erbauten daselbst auf
einem Stücke Erdreichs, welches dem Bischöfe angehört, und er ih-
ncn geschenkt hatte, kleine Zellen, in die sie sich einschlössen, und
die nämliche Lebensweise führten, wic die Einsiedler von Lamaldoli.
Sie hatten Alles gemein, gehorchten dem Bonfiglio Monaldi, den
sie zum Vorgesetzten sich gewählt hatten, übten außerordentliche Buß-
strenge, und hatten zu ihrem Unterhalte nichts, als die Gaben der
Gläubigen. Nach einiger Zeit nahmen sie auf Einrathen des Car-
dinals Gaufricd Castiglioni, der nachher den päpstlichen Stuhl un-
tcr dcm Namen Lölestin IV. bestiegen hat, die Regel des heiligen
Augustin an. Ihre Gesellschaft vermehrte sich, u»d legte dem Bon:
siglio den Titel eines Priors bei. Von dieser Zeit an machten sie
einen neuen Orden aus. Ihr Ordensgewand war schwarz. Meh-
rere von den Ordensglieoern wurden von dem Bischöfe zu den hö-
her» Wcihungen befördert, und es wahrte nicht lange, als der Or-
den schon ein eigenes Haus zu Siena und zu Pistoia hatte, und
sich bald nicht bloß in Ital ien, sondern auch in den benachbarten
Ländern ausbreitete.
Am Donnerstag in der Osterwoche ging Philippus Bcnitius
in die oben erwähnte Kapelle, zur Verkündigung Maria genannt,
die heilige Messe zu hören. Da ward er tief ergriffen durch die
bei Lesung der Epistel gehörten Worte, welche der heilige Geist,
nach Erzählung der Apostelgeschichte 8, 29 zum Diakon Philipp
gesprochen hat: „Gehe hinzu, und halte dich zu diesem Wagen!"
Die eintreffende Gleichnamigkeit war ihm ein Grund, diese Schrift-
stelle auf sich anzuwenden, und zu glauben, es sey eine Einladung,
die der heilige Geist an ihn ergehen lasse, sich unter den Schutz
der göttlichen Mutter in dem neuen Orden zu begeben. In der
folgenden Nacht meinte er, in einem Traume, in einer weiten Wüste
die Welt zu sehen, angefüllt mit gähcn Abgründen, Felsen, Dornen,
Fallstricken und giftigen Schlangen, ohne ein Mittel, so vielen Ge-
fahren zu entrinnen. Während er so in Furcht und Bestürzung
schwebte, wäh»te er zu erblicken die seligste Jungfrau, welche ihn
in den neuen Orden treten hieß. Am folgenden Tage dachte er
über diesen Traum ernstlich nach, und kräftigte dadurch in sich die
Ueberzeugung, daß eine große Wachsamkeit, und besondere Gnade
erfordert werde, zu entdecken und zu vermeiden die Klippen, welche
auf dcm Wege zum himmlischen Vaterlandc uns bedrohen, und zwei-
felte nun nicht mehr, daß Gott ihn zum Serviten-Dienst berufe,
und ihm den Schutz der göttlichen Mutter gegen jene Gefahren an-
biete. Er verfügte sich deßhalb zu Bonfiglio, bat um die Auf-
nahme in dessen Genossenschaft, erlangte sie, und empfing in der be-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen