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Am 23. August. 555
sagten Kapelle mit großer Andacht das Ordenskleid, wollte aber aus
Demuth nur Laienbruder seyn. Am 8. September 1233 legte er
die heiligen Gelübde ab, und wurde bald darauf von seinem Obern
auf den Berg Senario geschickt, wo er zu verschiedenen Arbeiten
verwendet werden sollte. Er verrichtete sie mit großem Fleiße,
opferte alle Beschwerden Gott, im Geiste der Buße, auf, und er-
hielt seine Seele fortwahrend im Andenken der Gegenwart Gottes.
War er frei von der Arbeit, so begab er sich in eine, zunächst der
Kirche gelegene Höhle, und bethete. Im erquickenden Genusse des
Umganges mit Gott vergaß er oft die Befriedigung der Bedürfnisse
seines Körpers. Er verbarg sorgfältig seine Kenntnisse, und die sel-
tenen Gaben des Verstandes und des Herzens, mit denen er von
Gott begnadigt war. Allein lange blieben sie nicht verborgen.
Seine Brüder entdeckten sie bald, und bewunderten die Weisheit
und die hohe Erleuchtung, womit er von göttlichen Dingen sprach.
In dem vor Kurzem zu Sicna gestifteten Kloster ward er veranlaßt,
sich in Gegenwart mehrerer sehr erleuchteter Personen über gewisse
streitige Punkte zu erklären. Er that's mit großer Bescheidenheit,
aber auch mit einem Scharfblicke und einer Gewandtheit, durch
welche seine Zuhörer in hohes Erstaunen versetzt wurden. Man bat
daher den Obern, dieses Licht unter dem Scheffel hervorzuziehen,
und auf den Leuchter zu stellen. ANcin ungerne und nur aus Ge-
horsam willigte dcr demüthige'Diener Gottes ein, die heiligen Wei-
hen zu empfangen, wofür man vom Papste eine Dispens erlangt
hatte. Er wurde zum Desinitor bestellt, und im Jahre 1267 zum
Ordensobern erhoben.
AIs die Cardinäle nach dem Tode des Papst Clemens IV. in
Viterbo zur Papstwahl versammelt waren, richteten mehrere dersel-
ben ihr Augenmerk auf den Philippus Benitius. Kaum hatte er
aber Kenntniß von ihrem Vorhaben erlangt, als er sich, begleitet
von einem seiner Ordensgenossen, in das Gebirg zurückzog, und so
la«ge sich verborgen hielt, bis Gregor X. zum Papst gewählt war.
Wahrend seiner Verborgenheit verdoppelte er die strengen Bußübun-
gen, und lag nur allein der heiligen Betrachtung ob. Er lebte
bloß von Kräutern, und trank aus einer O.ucUc, die in spätern Zei-
ten noch bekannt war (vielleicht noch bekannt ist) unter dem Namen
7,Bad des heiligen Philipp," auf einem Berge Montagnate genannt.
Entstammt von heiliger Liebe, trat er aus dcr Zurückgczogenheit
hervor, und voll des Eifers, das Feuer dcr göttlichen Liebe auch in
den Herzen Anderer anzufachen. In dieser Absicht predigte er zu-
erst an verschiedenen Orten Italiens, ernannte dann einen Stellver-
treter zur Leitung der Ordensgeschäfte, und trat darauf eine größere
Mission an, auf welcher er mit unglaublichem Erfolge das Wort
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen