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Am 22. Februar. 559
nes sanften Wortes, oder eines freundlichen Grußes nicht mehr
werth. Durch liebevollen Umgang mit Niedrigen und Armen, und
durch die Sorge und Hilfe, welche sie nach Kräften ihnen bewies,
büßte sie den Stolz, von dem sie chevor beherrscht war. Unzäh-
lige Thränen schmerzlicher Reue entflossen ihren Augen in der ein:
samen Kammer, in der sie Tag und Nacht zum Herrn um Barm-
herzigkeit siehte. Zum Eckel war ihr jetzt die Welt mit allen ihren
Gelüsten, und mit allen den blendenden Reizungen, durch welche sie
den Menschen von dem höchsten Gute abzieht. Im Umgänge mit
Gott fand ihre Seele nun ihr einziges Wergnüyen, und im Hin-
blicke auf den Gekreuzigten Heiland ihren süßesten Trost. Endlich
ward ihr, auf ihr unablässiges Bitten, die Aufnahme in den Buß-
orden gewährt, und das Bußgewand gegeben. Mit innigster Rüh-
rung legte sie das Versprechen ab, Gott, der sich ihrer erbarmet,
nicht mehr zu verlassen, und nie mehr zu weichen von dem guten
Hirten Jesus Christus, welcher sie der gefahrvollesten Wildniß ent-
rissen hatte. — Sie setzte die angefangene Bußstrengc fort, und be-
reicherte ihre Seele mit großen Tugenden. Nicht unthätig zu seyn,
sondern den Menschen nach Kräften nützlich zu werden, widmete sie
sich dem Dienste der Wöchnerinnen, welche sie mit eben so großem
Fleiße, als zärtlicher Liebe besorgte. — Schon in der ersten Zeit
ihrer Bekehrung hatte sie angefangen, von Fleischspeisen sich ganz
zu enthalten. Hieran etwas zu ändern, konnte man sie nicht bere-
den, obgleich sie solche täglich denen zubereitete, deren Pflege sie
übernommen hatte. Das Vorbild ihrer strengen Buße brachte
Manche zum ernsten Nachdenken über sich selbst, nnd wirkte Früchte
des Heils. Wurde bisweilen zum Zeitvertreibe gesungen, so konnte
Mavgarita sich nicht enthalten, in Thränen reuevoller Wehmuth aus-
zubrechen; da erstummtc dann fast immer der Gesang, und Andere
weinten mit ihr Thränen des Mitleids, und wohl auch eigener buß-
fertiger Rührung.
Weil der vielgeschäftige Dienst der Frauen ihr zu den geistli-
chen Uebungen, insbesondere auch zur Anhörung des Wortes Gottes
nicht so viel Zeit übrig ließ, als sie denselben widmen zu sollen
glaubte; so zog sie sich von demselben zurück, ruhte aber nicht, bis
ihr ein Haus überlassen ward, in welches sie Arme und Kranke auf-
nehmen , und sie bedienen und pflegen konnte. Diesem Dienste
opferte sie nun ihre ganze Thätigkeit, und Alles, was sie hatte, oder
zu erwerben vermochte. Selbst hungernd, speiste sie die Armen und
Kranken von den Gaben mildthätiger Liebe, die sie in den Häusern
der Stadt erbettelt hatte. Je mehr das Feuer der Liebe zu Jesus
Christus in dem Herzen der heiligen Margarita sich entstammte,
desto mehr fühlte sie die Schuld ihrer begangenen Sünden. Nach
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen