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Am 19. August. 561
und Getränken that, und manches Andere sich versagte, was seiner
Sinnlichkeit angenehm war. Die Mutter verwehrte ihm dieses nicht,
sondern vielmehr ermunterte sie ihn dazu, in der ganz richtigen Ue-
berzeugung, daß allein durch die Angewöhnung, seine Sinne und
Neigungen zu beherrschen, die christliche Vollkommenheit errungen
werden könne, daß Mäßigkeit und Selbstverläugnung die vorzüglichste
Bedingung seyen, zu hoher Tugend zu gelangen. —-
Ludwig machte jeden Tag neue Fortschritte auf dem Wege der
Gottseligkeit. Unvorhergesehene Trübsale, durch die Gott ihn prüfte,
vollendeten die Reinigung seine» Herzeus, und bewirkten seine ganz:
liche Lostrennung von der Welt. Im Jahre 1282 brach in beiden
Reichen, Neapel und Sicilien, eine allgemeine (5'mpörung aus gegen
Karl I, Dessen Sohn, der Vater Ludwigs, als Fürst von Salerno,
kämpfte in dem Heere, das dem Könige, seinem Vater, getreu ge-
blieben, wurde aber im Jahre 1284 in einer Seeschlacht von dem
Könige von Arragonien gefangen genommen. Bald darauf starb
sein Vater. Er wurde von seinen Anhängern und Freunden zum
Könige von Sicilien ausgerufen; aber aus seiner Gefangenschaft noch
lange nicht entlassen. Nur unter sehr harten Bedingungen gelang
es ihm endlich, derselben los zu werden. Unter diesen Bedingungen
war auch die, daß er drei seiner Söhne, unter denen auch Ludwig,
der jetzt vierzehn Jahre alt war, sich befand, zu Geiseln gebe'
mußte. Diese Gefangenschaft dauerte sieben Jahre in der Stadt
Barcelona. Ludwig wurde in derselben, sowie seine Brüder Robert
und Raymund, sehr unfreundlich behandelt. Nie verlor er aber die
Ruhe seines Gemüthes, die in kindlich festem Vertrauen auf Gott
gegründet war. Nur ein einziges Mal sichte er zu Gott um Be-
freiung, jedoch mit jener Ergebung, uit welcher jeder Christ, nach
dem Vorbilde des göttlichen Heilandes, um Erlösung von irdischen
Leiden bethen soll, und mit der ausdrücklichen Bedingung, wenn
seine Errettung zum Seelenheile sey. Die Gefangenschaft war ihm
eine Schule der höchsten Weisheit, welche darin besteht, daß wir
uns mit Gott auf das Innigste vereingen. Er betheuerte nachher
oft, er möchte um alle Güter der Welt dieselbe, und was er in ihr
erduldet, nicht hingeben; vielmehr wünsche er zurück die Schule, in
der er so viel gelernt habe. Als er einst gefragt wurde, wie er
bei so großen Drangsalen immer gleichen Muthes, immer heiteren
Gesichtes seyn könne? antwortete er: ,.,Das Unangenehme nützt den
Freunden Gottes mehr, als das Angenehme. Dann schließen wir
uns fest an Gott an, wenn wir durch Trübsal gcanstiget sind. Das
Glück erhebt uns, läßt uns leicht Gott vergessen, und macht, daß
wir ihn weniger fürchten; denn es macht, wie ein ungeschickter Arzt,
diejenigen sehr ost blind, die ihm in die Hände fallen, und die zu
Zweiter «ane. 36
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen