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Am 19. August. 563
Im Jahre 1294 kam eine Ausgleichung zwischen Karl I I . ,
dem Vater unsers Ludwig, und Jakob I I . , dem Könige von Arra-
gonien, zu Stande. Eine Folge derselben war, daß die Prinzen,
nebst den übrigen Geiseln, in Freiheit gesetzt, und von Barcelona
entlassen wurden. Beide Höfe wünschten dadurch eine engere Freund?
schaft zu knüpfen, daß Ludwig, dem der Vater die Krone von Nea-
pel abtreten wollte, sich mit der Prinzessin von Majorka, einer
Schwester des Königs von Arragonicn, vereheliche. Ludwig beharrte
aber auf dem Entschlüsse, der Welt zu entsagen, im geistlichen
Stande sich Gott zu weihe», und trat deßhalb seine Ansprüche auf
Neapel an Robert, seinen jüngern Bruder, ab. Sein älterer Bru-
der Bruder Karl hatte die Krone von Ungarn erhalten. Lieber
wollte Ludwig demüthig und arm seinem Erlöser folgen, als glän-
zen in der Welt, die ihre Anhänger nur durch vergängliche Güter
lohnet. In eben diesem Jahre 1294 empfing er die Tonsur und
die niedern Weihungen, mit einer Andacht und Vcrdemüthigung, die
Jedermann in Erstaunen setzte. Aus ganzer Seele sprach er mit
dem Weihenden: „Herr — Jesus — Du bist mein Erbtheil!" Er
verrichtete die niedern Küchendienste, und unterschied von den andern
Dienern sich durch nichts, als durch seinen größern Fleiß, durch seine
innigere Andacht, und durch seine tiefere Demuth. Im nämlichen
Jahre, wahrscheinlich noch vor Empfang der Tonsur, wurde ihm
von Papst Cölestin IV. die Regierung der Kirche zu Lyon, derer
erzbischöflichcr Sitz erlediget war, übertragen; Papst Bonifaz V l l l .
machte dießfalls eine Abänderung, worüber sich der demüthige Lud:
wig sehr erfreute. Wann und wo er das Subdiakonat erlangt
habe, läßt sich nicht angeben. Das Diakonat und die Priesterweihe
empfing er zu Neapel, in der Kirche des heiligen Laurentius, nach-
dem er sich zuvor in einem, dieser Stadt nahe gelegenen, Franzis-
kanerklostcr dazu mit großem Eifer vorbereitet hatte. Auch als Prie-
ster war er allen seinen Mitbrüdern zum erbaulichsten Vorbilde, in-
dem er mit vollkommener Treue alle Pflichten seines Berufes er-
füllte, und in evangelischer Armuth wandelte, nicht duldend, daß
ihm wegen seiner höhern Abstammung, oder wegen dem Glänze und
der Macht seiner Familie, ein Vorzug, oder eine Auszeichnung ge-
geben werde. In Allem, selbst in seinem einfachen Gewände, schien
er der letzte seiner Mitbrüder zu seyn. Seine Familie stimmte nicht
gerne ein, daß er in den Orden der mindern Brüder trete, ' eßhalb
seine Aufnahme in denselben auf einige Zeit verschoben wurde. Mitt-
lerweile erwählte ihn Bonifaz VI I I . zum Bischöfe von Toulouse.
Aus Gehorsam nahm er diese Würde an; machte aber doch noch
eine Reise nach Rom, und erklärte, daß er vorerst sein gemachtes
Versprechen erfüllen Müsse. Der Papst gab hiezu seine Emstim-
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen