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Am 7. September. 571
bittere Klagen an bei ihrem Gemahle, den sie aufforderte, derselben
strenge zu untersagen, mit den Armen ferner sich abzugeben, indem
sie mit ihren Almosen Straßcnbcttler und schlechtes Gesindel in's
Schloß ziehe, wodurch leicht großes Unheil, Raub oder Brand ent-
stehen könne. Heinrich dachte billiger; indem er sich erinnerte, daß
seine frommen Eltern ihm die Nothburga gewiß nicht ohne Ursache
so nachdrücklich empfohlen hätten. Er wollte sich vor Allem selbst
überzeugen, was seine Magd den Armen gebe. In dieser Absicht
lauerte er am nächsten Freitage derselben auf; und begegnete ihr
eben, als sie das am eigenen Munde ersparte Mittagmahl, nebst
dem Trunke, der auch den Dienstboten gereicht wurde, vor das
Schloßthor hinaustrug, um es einem Hungrigen zu bringen; denn
im Schlöffe durfte sich, seit Langem schon, kein Armer mehr sehen
lassen. Er fragte sie, was sie da trage? Nothburga, die sich kei-
nes Unrechtes bewußt war, und die Aufrichtigkeit über Alles schätzte,
öffnete den Schurz, zeigte ihrem Herrn die Speise und den Wein,
und bekannte, was an der Sache sey. Er sah, — die Geschichte
sagt, durch eine wunderbare Fügung des Himmels verblendet, —
die Speisen für Hobelspäne, und den Wein für Lauge an. Erbit-
tert gegen die Magd, weil er meinte, sie habe ihn absichtlich tau-
schen wollen, eilte er zu seiner Gemahlin Otilia, und erzählte ihr,
was vorgefallen sey. Diese ergrimmte, rief die Nothburga auf der
Stelle zu sich, überhäufte sie mit Schmähungen und Vorwürfen,
und hieß sie das Schloß sogleich verlassen. Diese, ihrer Unschuld
sich bewußt, ertrug schweigend alle Vorwürfe und Lästerungen, dankte
für die empfangenen Wohlthaten, ging in ihre Kammer, und packte
ihre wenigen Habseligkeiten zusammen. Bevor sie aber das Schloß
verließ, ward Otilia krank. Vergessend die erlittenen Unbilden, eilte
die gute Nothburga zu ihr, nahm herzlichen Antheil an ihren Lei-
den , und pflegte sie mit großer Sorgfalt und Liebe, bei Tag und
bei Nacht, bis zu ihrem Ende, welches in kurzer Zeit erfolgte.
Während dieser Zeit bethete sie mit vielen Thränen zu Gott, daß
er ihrer Frau die Genesung schenken, oder, wenn er ihren Tod be:
schloffen habe, ihre Hartherzigkeit und die Unbilden, welche sie an
den Armen und an ihr verübt habe, gnädig verzeihen wolle. Der
tief bestürzte Ferdinand machte den Armen gut, was ihnen ent,
zogen worden war, indem er eine jährliche Spende stiftete, die
an die Dürftigen in dem St. Georgcnkloster ausgetheilt wer-
den sollte.
Nothdurga verließ das Schloß. Mehrere benachbarte Edcl-
frauen wünschten sie in ihren Dienst zu erhalten. Jene zog es aber
vor, einem Bauern zu dienen, theils aus Demuth, theils weil sie
mehr Gelegenheit zu erhalten hoffte, dem öffentlichen Gottesdienste
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen