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Am 19. Juni. 7,77
glückes sich ergötzend, waren sie mit vielem Eifer darauf bedacht,
dasselbe zu erhalten und zu erhöhen. Allein Gott ließ in ihrem,
durch irdische Bestrebungen und sinnliche Genüsse verblendeten Ge-
müthe, ein Licht aufgehen, durch welches sie höhere Güter, und seli-
gere Vergnügungen kennen lernten, als die vergänglichen Güter und
die tauschenden Vergnügungen dieser Erde sind. Alerius kam zuerst
zu dieser heilsamen Erkenntniß. Er entsagte dem Weltleben, und
trat in den Orden der Diener Mariens (Serviten), in dem er sich
nun ganz dem Dienste Gottes, und den Werken heiliger Liebe wid-
mete. Sich überaus glücklich fühlend auf dem Wege der Gottselig-
keit, wendete er Alles an, seinem Bruder Carissmus das gleiche
Glück zu verschaffen. Gott segnete sein liebevolles Bemühen. Ca-
rissinus fing ernstlich an, über die Vergänglichkeit alles Irdischen
nachzudenken, und tief zu fühlen das Bedürfniß nach bessern Schätzen,
und nach einem dauerhafteren Glücke, als die Erde sie hat, und ge-
ben kann. Eine genaue Prüfung seiner bisherigen Lebensweise offen?
barte ihm, daß er unter seinem erworbenen Gute Vieles besitze, was
auf der Wage strenger Gerechtigkeit nicht bestehen könne. Dieß er-
regte eine marternde Unruhe in seinem Innern, die ihn immer hef-
tiger antrieb, seine bisherige Lebensweise zu verlassen, und nur allein
in Gott und in der Tugend sein Heil zu suchen. Dem Rufe der
göttlichen Gnade, und der Leitung des Papstes Urban IV., dem er
seinen Seelenzustand im Jahre 1263 offenbarte, folgend, gab er,
als ein anderer Zachäus, alles fremde Gut zurück; spendete er reich-
liche Almosen; betrat er mit großem Eifer die Bahn wahrer Got-
tesfurcht; strebte er nach christlicher Vollkommenheit; ließ er end-
lich zu Florenz die Kirche zu Ehren der Verkündigung Maria er-
bauen, die heute noch ihres Reichthums und ihrer Schönheit wegen
bewundert wird.
Larissinus und seine Gemahlin hatten bis daher keine Kinder,
und auch die Hoffnung, solche zu erhalten, bereits ausgegeben, weil
sie schon bejahrt waren. Sie sahen daher die Geburt einer Toch-
ter , mit der sie vom Himmel noch begnadiget wurden, für eine
wunderbare Wirkung der göttlichen Gnade an. Diese Tochter war
Julian«, die glänzendste Zierde ihres erlauchten Stammes. Sie
erblickte das Tageslicht im Jahre 1270 zu Florenz. Der Vater
starb bald nach ihrer Geburt. Die fromme und gottesfürchtige Mut-
ter verwendete deßhalb doppelte Sorge auf die gute Erziehung der
Tochter, unter Leitung des Schwagers Alerius. Die ersten Worte,
welche Iuliana aussprechen lernte, waren die Namen: ->Iesus und
Maria/' Darüber waren Mutter und Amme hoch erfreut, und noch
mehr, als diese, der fromme Alerius, der öfters zu seiner Schwäge-
rin sagte: sie scheine einen Engel, und nicht ein Menschenkind ge-
Zweiter Band. 27
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen