Page - (000580) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
Image of the Page - (000580) -
Text of the Page - (000580) -
578 Die heilige Iuliana von Falconieri, Jungfrau.
boren zu haben. Kaum hatte Iuliana die Jahre der Vernunft er:
reicht, als sie sich, voll des E,fers für Frömmigkeit und Tugend
zeigte. Sie fand viel größeres Vergnüge» an den Andachtsübungcn,
zu denen der Onkel Alerius sie anleitete, als an den leidlichen Be-
schäftigungen, in welchen die Mutter, zum Theile selbst sie unten'ich
tete, zum Theile von andern sie unterrichten ließ. Wenn diese il>r
verstellte, daß sie a.,f solche Weise nicht tauglich werde, einem Haus-
wesen einst gut vorzustehen, und daher nicht leicht einen Mann be-
kommen werde, antwortete sie: .,sie habe das Vertrauen, daß die
göttliche Mutter seiner Zeit für das, was das Beste seyc, sorgen
werde." Denn jetzt schon bestand in ihrem Herzen der Vorsatz, sich
in jungfräulicher Reinigkeit dem Dienste Gottes zu widmcn. Mit
kindlich frommem Sinne machte sie Märchen, vor denen sie sehr oft
bethete, oder in geistlichen Büchern las, oder das Lob Gottes und
der heiligsten Jungfrau besang. Ihren Körper unterwarf sie harter
Abtödtung, und ihre Sittsamkeit war so groß, daß sie Mannsperso-
nen nie in's Angesicht schaute. Sie zitterte vor dem Namen der
Sünde.
Die schönen Gaben des Geistes, und die seltene Wohlgestalt
des Körpers, welche sich an Iuliana mit jedem Jahre herrlicher ent-
wickelten, erfreuten die Mutter und die Anverwandten mit der Hoff-
nung , daß ihr eine sehr angesehene eheliche Verbindung zu Theil,
und dadurch der Glanz der Familie, erhöht werden könne. Es be-
warben sich auch wirklich Jünglinge aus den vornehmsten Häuser»
um die Hand der edlen Jungfrau; unter ihnen besonders ein gewis-
ser Falko, der durch die Verbindung mit der reichen und mächtigen
Falkonieri ein Uebcrgewicht über seine Gegner zu erhalten wünsäite.
Alles stimmte in diese Verbindung ein, nur Iuliana nicht. Frucht-
los blieben das Zureden der Mutter, und die schmeichelnden Glücks-
preisungen der Verwandten! Die fromme Jungfrau offenbarte den
unabänderlichen Entschluß, allen irdischen Gütern, Bestrebungen und
Hoffnungen zu entsagen, und in jungfräulicher Reinigkeit Gott zu
dienen.
Ueber diesen Entschluß der heiligen Iuliana war hoch erfreut
ihr Onkel Alexius, und mit ihm der heilige Philippus Benitius.
Ersterer vereinigte mit ihr den Wunsch, daß sie in den Orden der
Dienerinnen Mariens, Mantcllaten genannt, aufgenommen werde.
Diesen Namen legte man jenen bei, welche einen dritten Orden der
Servilen bildeten, und eine besondere Art kurzer Aermel trugen, um
leichter arbeiten zu können. Dil'se Dienerinnen MarienS hatten die
Bestimmung, die Kranken zu pflegen, und andere Werk? der Barm-
herzigkeit zu üben. Im Anfange waren sie zur strengen Klausur
nicht verpflichtet. Die Bitte der Iuliana um das Ordensitleid wurde
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen