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586 Die heilige Catharina von Siena, Jungfrau.
ohne alle Veranlassung, einen unversöhnlichen Haß auf Catharina
geworfen, daß diese durch alle Beweise dcmuthsvoller Liebe nicht
vermachte, cme Versöhnung zu Stande zu dringen. Nun ward sic
tödtlich krank, Catharina bemühte sich jetzt noch eifriger, die Aus:
söhnung zu bewirten; allein ihr Bemüh?» steigerte den Haß der
Palmcrina, welche sie aus dem Hause jagen ließ. Sie »ahm ihre
Zuflucht zum Gebethe. Gott erhörte das Flehen seiner Dienerin.
Jene änderte ihren Sinn, und starb mit großer Zerknirschung ihres
Herzens. — Andrea, eine Schwester ihrer Ordensgenossenschaft, war
mit einem offenen Krebsschaden behaftet, der einen so unausstehlichen
Geruch verbreitete, daß sic von Jedermann verlassen wurde. Catha-
rina erbot sich, ihr zu dienen, besuchte sie, bediente sic fleißig, öff-
nctc, reinigte und verband ihre Geschwüre, ohne eine Spur des
Eckels merken zu lassen, so stark und unerträglich der üble Geruch
war. Alles that sie mit freudigem Muthe. Ihre Liebe und ihre
Geduld konnte» nicht ermüdet werden, weder durch die Beschwerlich-
keit, noch durch die lange Dauer der Krankheit. Einige Male ward
sie von cincm sehr großen Eckel befallen. Sie bekämpfte ihn, und
fuhr fort, den Kranken zu dienen. Aber nun ward von der Kran-
ken selbst der Argwohn gefaßt und verbreitet, daß Catharina, so
oft sic sich von ihr entferne, in sündhafter Zusammenkunft ihre böse
Lust zu befriedigen suche. Diese Verleumdung lief von Mund zu
Mund, und wurdc endlich der Catharina von ihren ältern Schwe-
stern mitleidig vorgehalten. Catharina antwortete darauf mit Sanfte
muth: „Wahrlich, liebe Schwestern! ich bin durch die Gnade Christi
eine Jungfrau'/» Weiter sagte sic kein Wort zu ihrer Entschuldi-
gung, und auch keines gegen dic Kranke, sondern fuhr fort, ihr in
Liebe zu dienen. Nur allein ihrem Heilande klagte sie das Leiden,
und bat ihn mit Thränen um Beistand in dieser Prüfung. Da
war's ihr, als halte Jesus ihr eine goldene und eine dörnernc Krone
vor, mit den Worten: „Du mußt mit Beiden gekrönt werden.
Wähle, welche du in diesem Leben haben willst.'- Sie wählte dic
Dornenkrone, und fand sich neu gestärkt zum Dienste der Kranken.
Die Verleumdung drang nun aber auch zu den Ohren ihrer Mut-
ter, und diese untersagte ihr, die Kranke ferner zu besuchen. Ca-
tharina warf sich ihr zu Füßen, und hörte nicht auf zu flehen, bis
es ihr wieder bewilliget wurdc. Mit einer Freudigkeit, als wenn
nie etwas vorgefallen wäre, diente sie der Kranken, die dadurch sehr
betroffen wurdc, ihr Unrecht bekannte, und unter schmerzlichen Thrä-
nen um Verzeihung bat. Die heilige Jungfrau fiel ihr um den
Hals, tröstete sie, und entschuldigte liebevoll das Vergehen.
Ueber Alles groß war in den Augen der Latharina der Werth
unsterblicher Seelen, die ihr geliebter Jesus Christus durch sein th?u:
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen