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590 Der heilige Johann von Nepomuk, Märtyrer.
sinne, der im Streben »ach irdischer Wohlfahrt des ewigen Heilc.
sich verlustig macht. Er entschloß sich zum geistlichen Stande. B,er
Wochen vor Empfang der Priesterweihe zog er sich von alle,, Arbei:
ten zurück, »nd beschäftigte sich nur allein damit, durch anhaltendes
Gebeth, durch die sorgfältigste Prüfung und Reinigung de5 ,herzens,
und durch Uebung strenger Selbstverläugnung, sich zum Eintritte
in's Heiligthum vorzubereiten, und der göttlichen Gnade würdig zu
machen. Die erste Anstellung erhielt er bei der Kirche im Thcin zu
Prag, in der Altstadt. Seine Geschicklichkeit und sein glühender
Sccleneifer erwarben ihm großes Verträum, und seine Predigte»
allgemeinen Beifall, weil sie nicht das Werk menschlicher Weisheit,
sondern göttlicher Geisteserlcuchtung waren, sich nicht durch künstliche
Beredtsamkeit, sondern durch Herzlichkeit und himmlische Salbung
auszeichneten, und mit jener würdevollen Ruhe vorgetragen wurden,
welche allein den ewigen Wahrheiten geziemt. Er wurde deßhalb
zum gewöhnlichen Prediger bei der eben genannten Kirche bestellt.
Vor ihm hatten zwei sehr berühmte Prediger, Konrad von Stieken,
und Johann Milz dieses Prcdigtamt verwaltet. Man bedauerte ih:
ren Verlust, vergaß sie aber leicht, weil der neue Prediger in man:
cher Hinsicht sie übertraf. Die ausgezeichneten Verdienste des Jo-
hannes , sowohl im Predigtamtc, als in andern scclsorglichen Ver-
richtungen , bewogen den Erzbischof zu Prag, ihn zum Domherrn
bei seiner Kathedralkirche zu ernennen, »nd die Predigerstelle bei der:
selben ihm zu übertragen. Da war der Zulauf zu seinen Predigten
noch größer, als i» Thein. Selbst von den Hofleuten wurden sie
fleißig besucht, und mit Beifall angehört, obgleich der eifrige Predi:
ger der, zumal am Hofe, herrschenden Laster nicht schonte, und so
oft, als nachdrücklich, das ernste Wort .>Buße<- ertönen ließ. Gott
lohnte die eifervolle Anstrengung seines Dieners durch scgensvollen
Erfolg.
Auch Wenzeslaus IV. , Böhmens König, und Deutschlands
Kaiser, welcher damals sehr jung war, hatte vorher die Predigten
des Johannes in der Altstadt besucht, und wohnte Anfangs densel:
ben auch in der Kathcdralkirche gerne bei, sehr hoch schätzend den
frommen und erleuchteten Lehrer. Um ihm Beweise seiner Gnade
z^ geben, bot er ihm zuerst das Bisthum zu Leuthmeritz, und her-
nach die reiche Prodstei zu Witschereo an. Allein Johannes schlug
Beides aus, als ein wahrhaft apostolischer Priester, dem es nicht
um reiches Einkommen, sondern um das Heil der Seelen zu thun
ist, der sich nicht der Kirche Aemter, Hoheit und Glanz, sondern
die Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden zum Ziele seiner
Wünsche macht. Er begnügte sich mit seiner» Predigtamte, weil er
an dieser Stelle mehr Gutes zu stiften hoffte. Jedoch fügte er sich
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen