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Am 5. April. ',95
Wie der Ruhm des heiligen Vincentius täglich größer wurde,
und weiter sich verbreitete, so vermehrte sich auch der Neid, der
denselben zu verdunkeln suchte, und welcher in dieser Absicht zuerst
arge Hünste der Verführung, um ihn zum Falle zu bringen, und
dann schwarze Verläumdung, um seinen guten Rus zu bestecken, an:
wendete. Die Waffen, welche Vincentius gegen die Angriffe der
Finsternisse führte, waren: Gebeth, Abtö'dtur.g, strenge Wachsamkeit
über alle seine Sinne, und große Sorgsalt, die ersten Regungen der
Begierlichkcit zu ersticken.
Nach dem im Jahre 1378 erfolgten Tode des Papstes Gre-
gor IX. ward Urban VI . zu dessen Nachfolger erwählt; weil aber
dieser gleich im Anfange seines oberhirtlichen Amtes sich sehr strenge
bewies, gaben mehrere Kardinäle die Wahl für gezwungen aus, und
wählten zu Fondi den Robert von Genf, unter dem Namen Cle-
mens VI I . Dadurch entstand jene höchst bedauerungswütdige Spat-'
tung in der Kirche, welche erst in dem zu Konstanz gehaltenen Kir?
chcnrathe im Jahre 1417 durch die Wahl Martins V. gcendiget
wurde. Der Kardinal Peter von Lucca kam als Gesandter des Af-
terpapstes nach Spanien, lernte da die großen Eigenschaften des
Vincentius kennen, und gab sich große Mühe, ihn zu bewegen, daß
er bei seiner Rückreise nach Frankreich ihn begleite. Allein Vincen-
tius verbat sich diesen Ruf, und erlangte die Erlaubniß, zu Valen-
cia in seinem Kloster bleiben zu dürfen. Im Jahre 1393 ward
Peter von Lucca von den zu Avignon in Frankreich befindlichen
Kardinälen an die Stelle des verstorbenen Afterpapstes Clemens VI I ,
gewählt. Er ließ sich Benedict XI I I . nennen, und suchte sein An-
sehen dadurch zu vermehren, daß er mit frommen und berühmten
Männern sich umgab. In dieser Absicht berief er auch den Vincen-
tius Ferrerius nach Avignon, und gab ihm den Titel eines päpstli-
chen Beichtvaters, und des Aufsehers über den päpstlichen Palast.
Vincentius war, wie viele andere der besten Männcr jener Zeit, der
festen, obgleich irrigen Ueberzeugung, daß Bencdict XI I I . das recht-
mäßige kirchliche Oberhaupt sey, und hing deßhalb demselben mit
pflichtmäßigem Eifer an. Sehr unangenehm war ihm aber der
Aufenthalt zu Avignon, weil die Lebensweise, die da herrschte, mit
seiner Frömmigkeit und seinem heiligen Wandel im Widersprüche
stand. Er bat um seine Entlassung, aber vergeblich. Unmöglich
war es ihm, dem Verderben der Sitten ruhig zuzusehen. Er be-
kämpfte es mit heiligem Eifer durch kraftvolle Predigten, durch das
Vorbild seines frommen Wandels, und durch Thranengebcthe, die
er unablässig zu Gott schickte. Seine Anhänglichkeit an Bene-
ditt XI I I . zog ihm viele Unbilden zu. > Er duldete sie standhaft,
weit entfernt. Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Benedikt wollte
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen