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600 Die heilige Lidwina, Jungfrau.
Prüfungen zu bestehen. Sie machte von denselben einen heiligen
Gebrauch, und stärkte sich zur Zeit des Kampfes durch den Genuß
des Leibes und Blutes Jesu Lhristi. In der heiligen Kommunion
fand sie eine beständige Nahrung für das himmlische Licbcsfcuer,
welches sie verzehrte, und für die häufigen Thränen, die sie aus
Andacht vergoß. Groß war ihre Armuth, denn sie verlangte nichts
mehr, als den Menschen unbekannt zu seyn, und von Jedermann
gering geachtet zu werden. Endlich ward ihr der herannahende Tod
geoffenbaret, der durch den Anfall eines sehr heftigen Erbrechens er-
folgte, im Jahr 14Z^. Leibst dcr ehrwürdige Thomas von Kcm
pis bezeugt als Augenzeuge mehrere Wunder, durch welche Gott
die Helligkeit der Lidwina nach dem Tode bestätiget hat. Ihr
Leichnam wurde in der Pfarrkirche zu Schicdam begraben, und das
Haus, in welchem sie gewohnt hatte, in ein Kloster umgewandelt.
AIs hernach die Calvinisten an diesen Orten eine allgemeine Zerstö-
rung bewirkten, wurden die Reliquien in die Hauptkirche nach Brüssel,
und ein Theil davon in die Kirche der Karmeliter-Nonnen gebracht.
Bei dcr heiligen Jungfrau Lidwina sehen wir, wie bei so vie-
len andern Heiligen, auf welchen wunderbarlichen Wegen Gott seine
Auserwählten in den Himmel führt. Hier zeigen sich die mensch:
liche Armseligkeil, und die göttliche Güte in ihrer ganzen Größe.
Entsetzliche und lange Schmerzen marterten die fromme Jungfrau
am Leibe; groß war dabei ihre Geduld, vergnügt sogar ihr Herz.
Wie leicht ist es Gott, das größte Elend in süßen Trost zu ver-
wandeln? — Ehrist! lerne daraus, alle Krankheiten des Leibes und
alle widrigen Zufälle mit Vertrauen auf Gott willig anzunehmen,
und durch Gebeth, besonders durch Betrachtung des bittern Leidens
unsers Heilandes, dir Stärke und Trost vom Himmel zu verschaffen.
Beherzige bei der Erwägung des Beispiels der heiligen Lidwina,
daß Krankheiten und Leibesbeschwerdcn vielmehr Zeichen der Liebe,
als Ungnade Gottes seyen, welche der liebreiche Vater den Menschen
nur zuschickt, sie vom Irdischen abzuziehen, sie in Tugenden zu
üben, und durch deren. Ausübung der ewigen Seligkeit desto würdi-
ger zu machen. Alle Leiden dieser Zeit, wenn sie uns auch noch so
langwierig vorkommen, sind doch nur augenblicklich, wenn man sie
gegen die Ewigkeit betrachtet. »Hier brenn', o Herr! hier schneid;
nur schone in der Ewigkeit!"
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen