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6N2 Der heilige Laurentius Iustinianus :c.
sem Augenblicke an sah man ihn sein Fleisch durch die strengsten
Bußwerkc kasteien, und sich mit unermüdlichem Eifer allen Uebungen
der Religion widmen. Seine Mutter und seine Freunde schlugen ihm eine
ehrenvolle Versorgung in der Welt vor. Dieser Schlinge zu cnt-
gehen, entfloh er heimlich, und lies, sich bei den regulirtcn Ehorhcr:
ren der Longrcgation zum I,eil>gen (^ieorg in Alga, das Orde>,Sk!cid
geben.^ Im Kloster fand er keine Bnsiart, die er »icht schon vor:
her ausgeübt hatte, und die Obern sahen sich genöthigt, dem allzu,
großen Eifer Schranken zu setzen. Seiner Jugend ungeachtet, über^
traf er alle seine Mitbriider im Fasten und Nachtwachen, in sreiwil^
liger Ertragung der Halte und Hitze, des Hungers und des Dur:
stes. Wenn man ihn bei großer Hitze oder Ermüdung ermähnte,
zu trinken, pflegte er zu antworten: .,Wcnn wir dcn Durst nicht er:
tragen können, wie wcrdcn wir die Qualen des Fegfcucrs zu leiden
vermögen." Zweimal mußte er eine schmerzliche Operation erdul-
den. Vor der erster» sagte er zu den bekümmerten Brüdern:
.,Warum fürchtet il,r'? Glaubet ihr, ich könne die nothwendige
Standhaftigkeit von dem nicht erlangen, der die drei Knaben im
Feuerofcn nicht nur zu trösten, .sondern auch von den Flammen zu
befreien wußte. ^ Und bei der zweiten sagte er zum zitternden
Arzte: .,Schneidet bederzt zu, euer Wertzeug ist den eisernen Kral:
len noch nicht gleich, mit welchen die Märtyrer zerfleischt wurden.'-
— Bei dcn gemeinschaftlichen Andachtsübungen erschien er immer
zuerst, und entfernte sich zuletzt. Unter seinen Tugenden leuchtete
die Demuth vorzugsweise hervor. Er wählte immer die niedrigsten
Verrichtungen des Klosters für sich, und trug nur die schlechtesten
Kleider der Genossenschaft. Auf jeden Wink gel^rchte er seinen
Obern, unterwarf gerne sein Urtheil dem Urtheile der Anderen, und
suchte in Allem, soviel er, ohne Aufsehen zu erregen, es konnte, den
letzten Platz. Wenn er Almosen sammelte, ertrug er willig dcn
.ftohn der Wcltleute. Als er eines Tages an einen Ort sich bege-
ben sollte, wo er unfehlbar dem Gelächter ausgesetzt ward, und sein
Gefährte ihn darauf aufmerksam machte, antwortete er ganz ruhig:
„Laß uns nur hingehen, und Verspottung einsammeln. Wir haben
uoch nichts gethan, wenn wir der Welt nur den Worten nach ent-
sagt haben; wir müsscn heute über sie siegen mit unsern SaVen
und unsern Kreuzen.- Er wußte, daß die freudig erduldeten De-
müthigungen das sicherste Mittel sind, einen vollständigen Sieg i^,er
sich selbst zu erringen, und jenen tief gewurzelten Stolz zu zerstö-
ren, dcr das vorzüglichste Hinderniß der Tugend ist. Bei seinen
Almosensammlungen kam er oft vor seines Vaters Haus, ging aber
nicht hinein, sondern blieb auf der Gasse stehen, und begehrte r.ls
Almosen, wie bei andern Hausern, vor dcr Thüre. Als einst die
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen