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606 Der heilige Johannes Capistranus :c.
wurde, >varfen die unruhigsten Höpfe den Verdacht auf ihn, das er
licimlich den König von Neapel begünstige. Auf ihre Veranlassung
wurdc er verkästet, und in die, fünf Meilen von Perosa entlegene
Festung Bruffa, eingesperrt. Da ward er hart gehalten. Man be-
lud ihn mit Kcttcn, »>nd reichte ihm nur Brod und Waffer. Dieß
brachte ihn zur ernsten Beherzigung des Unbcstandes menschlicher
Dinge, und zur Erkenntniß der Nothwendigkeit, sich Gott altein
hinzugeben. In seinem Innern ging eine gewaltige Veränderung
vor. Er ward ein ganz anderer Mensch, und faßte, da der Tod
ihm auch seine Gattin entrissen hatte, endlich den Entschluß, in dem
Orden des heiligen Franziükus, ein bußfertiges Leben zu führen.
Er ward vom frommen Eifer so erglüht, daß er, weil man ihm im
Gefängnisse das Ordcnsklcid nicht geben wollte, seinem Gewände
den Schnitt desselben verschaffen ließ, und sich selbst die Haare ab:
schnitt. Sobald er die Freiheit erlangt hatte, eilte er nach Ea-
pistran, verkaufte seine Güter, verwendete die Hälfte seines Vermö-
gens auf seine gänzliche Loskaufung, gab die andere Hälfte den Ar-
men, und kehrte zurück nach Pcrosa, wo er im Jahre l415 in das
Franziskanerkloster, de Monte genannt, aufgenommen wurde. Hier
ward er den härtesten Prüfungen unterworfen, auf daß man sich
von seinem Berufe überzeuge. Er bestand sie heldenmüthig, und
gewann dadurch den vollkommensten Sieg über sich selbst, welcher,
weil auf tiefe Demuth gegründet, ihm nie mehr entrissen ward. Vor
Ablegung der Gelübde legte er eine allgemeine Beicht ab, und brachte
drei Tage im Gebethe und in Thränen zu.
Von dieser Zeit an genoß er täglich eine einzige Mahlzeit; nur
auf seinen langen und beschwerlichen Reisen nahm er auch Abends
ein wenig kalte Speise zu sich. Sechs und dreißig Jahre lang aß
er kein Fleisch, außer wenn er krank war. Des Nachts schlief er
auf Brettern, nur drei oder vier Stunden. Die übrige Zeit brachte
er im Gebethe und in heiliger Betrachtung zu. Diese doppelte Ue-
bung unterbrach er viele Jahre durch das Predigtamt, und durch
einige Erholung, die er seinem Körper nicht versagen konnte. Er
besaß den Geist der Zerknirschung und die Gabe der Thränen in ei-
nem so hohen Grade, daß alle, die mit ihm sich unterhielten, dar-
über erstaunten. In seinem Eifer für die Ehre Gottes und für das
Heil der Seele war er ein zweiter Paulus. Der Kraft seines Zu-
spruchs konnten die verhartetstcu Sünder nicht widerstehen. Mit dem
besten Erfolge verwaltete er das Predigtamt in der Markt Ankona,
Apulien, (5alabrien, im Königreiche Neapel, in der Lombardei, in
Venedig, Bayern, Oesterreich, Karnthen, Mähren, Böhmen, Polen,
Ungarn. Einst hielt er zu Aquila über die Eitelkeit und die Ge-
fahren der W«lt eine Predigt. Nach Beendigung derselben brachten
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen