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Am 24. März. 617
schichte der späteren Jahrhunderte erzählt inbbesondere auch mehrere
Mordc, welche von den Hebräern an verschiedenen christlichen Kna-
ben auf eine barbarische Weise verübt worden sind. Wahrscheinlich
lst, daß sie »ebcn der Sättigung blutiger Rachbegicrdc auch man:
cherlei abergläudis(!>e Zwecke, zu denen sie das Blut. der gemordeten
Unschuld in ihrer Thorheit gebrauchten, zum Ziele gehabt haben.
Ich vermag indessen doch nicht, eine bestimmte Auskunft hierüber zu
geben. Andreas von Rinn, und Simon von Tricnt, sind zwei be-
rühmte Opfer jüdischer Alutgierdc. Hören !' r die grausame Mord:
geschichte derselben:
lHiin' Viertelstunde von dem Flecken Rinn, zwischen Innsbruck
und Hall in Tnrol, an der Hochstraße lebte auf dem sogenannten
Penzenhof ein frommer Tagwerker, Simon Orner, mit seiner nicht
weniger gottesfürchtigen Gattin, Maria. Gott beglückte ihre Ehe
mit einem Sohne, der im Jahre 145!!, wahrscheinlich am 2<i. No-
vember zur Welt kam, und in der Taufe den Namen Andreas er-
hielt. Nicht larige nach dessen Geburt starb der Vater. Die Mut-
ter verschaffte sick und ihrem Kinde, das sie zärtlich liebte, den noth-
dürftigen Lebensunterhalt durch den spärlichen Lohn, den sie im
Schweiße ihrcs Angesichtts mit Tagwerk verdiente. So oft sie aus
ihrcr Wohnung abwesend war, überließ sie die Obsorge des kleinen
Andreas dem Pathen desselben, bei dem sie wohnte, und der Jo-
hann Mancr hieß. Da im Sommer des Jahres 1462 einige Iu .
den nach Botzen reisten, auf der Hochstraße vorbeizogen, sahen sie
mehrere Kinder miteinander spielen. Unter denselben war auch der
kleine Andreas, dcr durch seine Wohlgestalt ihr böses Auge vorzugs-
weise auf sich zog. Nä're nicht scinc Mutter zugegen gewesen, so
würden sie ohne Zweifel da schon den Knaben an sich gelockt, und
ihrem unversöhnlichen Lhristenhasse geopfert haben. Sie gingen,
entstammt von Mordbegier, in die nah gelegene Schenke, in welcher
sie den Pathcn desselben trafen. Dieser theilte ihnen seine Verhält-
nisse zu dem Kinde mit. Sie heuchelten großes Bedauern, daß ein
so holder Knabe keine bessere Erziehung gcnöße. Einer aus ihnen
erbot sich, weil er keinen Sohn habe, ihn an Kindesstatt anzuneh-
men, zu erziehen, der Handclschaft zu widmen, und bei seinem Tode
seine großen Reichthümer ihm zu überlassen. Der Pathe erklärte
anfänglich, daß er kein Recht habe, über den Knaben zu verfügen;
ließ aber durch die Verheißung einer großen Summe Geldes sich verleiten,
den Hebräern zu versprechen, daß er ihnen bei ihrer Rückreise denselben
überliefern wolle. Die Hebräer, zehn an dcr Zahl, kehrten zurück zur Zeit
dcr Erndtc, wo, wer immer arbeiten konnte, auf dem Felde sich be-
fand , und auch die Mutter des kleinen Andreas in das, beinahe
zwei Stunden, entfernte Ambras als Schnitterin sich verfügt hatte.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen