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Am 24. März. 613
seyn möchte, hade sie sogleich nach Haust sich verfügt. Da sah sie
vor Allem um ihren kleinen Liebling sich um, und als sie ihn nicht
fand, stellte sie den Gevatter desselben zu Rede. Dcr schändliche
Verräthcr versuchte anfänglich den ungestümen Fragen dcr tiefbeküm:
mertc» Mutter auszuweichen , sah sich aber bald genöthigt, ihr zu
entdecken, daß er den Knaben einem Kaufmannc, dcr die beste Wer:
sorgung ihm verheißen, überlasten habe, und holte das empfangene
Blutgeld herbei, in der Erwartung, daß er durch dieses das jam-
mernde Weib beruhigen werde. <^Das Geld soll, wie die Legende
sagt, zu dürren Baumblä'ttern geworden seyn.) Weheklagend vcr:
langte die Mutter den Weg zu erfahren, welchen die angeblichen
Kaufleute genommen hatten; nnd als er ihr angedeutet ward, eilte
sie dem Birkenwalde zu, in der Hoffnung, jene noch einzuholen.
Unbeschreiblich war aber ihr Schrecken, als sie zuerst den blutigen
Stein sah, neben ihm das Gewand ilnes Kindes fand, und endlich
dieses selbst, an der Birke hangend, erblickte. Ihr lautes Jammer-
geschrei zog bald mehrere Menschen herbei. Die Leiche wurde vom
Baume abgenommen, feierlich beerdiget, und von dieser Zeit an, als
Reliquie eines Märtyrers verehrt. Die fürchterlichen Gewissensbisse
brachten den Johann Mayer zum Wahnsinne, in dem er nach zwei
Jahren elend zu Grunde ging.
Dreizehn Jahre später wurde zu Tricnt, einer Stadt in Tyrol
an den Gränzen Italiens, welche durch die letzte allgemeine Kirchen:
Versammlung berühmt ist, von den Juden gleiche Grausamkeit ver-
übt an einem christlichen Knaben, dcr Simon hieß, und nicht viel
über zwei Iahrc alt war. Drei i/idischc Familienväter, Tobias,
Ängelus und Samuel, dcr cinen andcrn Juden bei sich hatte, kamen
am Dienstage in dcr Charwoche des Jahres 1475 in Samuels
Hause, wo sie auch ihre Synagoge hatten, zusammen, um die nö-
tliigen Anstalten zu dem auf den folgenden Donnerstag fallenden
Osterfeste zu machen. Veranlaßt durch den Angelus, faßten sie den
gottlosen Entschluß, ein Christenkind zu rauben, und ihrem Hasse
gegen die christliche Religion und deren göttlichen Stifter zu opfern.
Zu dem gefährlichen Raube wollten sie, "durch Verheißung einer gro-
ßen Summe Geldes, eincn deutschen Juden, der bei Samuel im
Dienste stand, bewegen. Dieser aber erzitterte vor der schaudcrvol-
len That, packte seine Sachen zusammen, und entfernte sich. —
Ein schönes Beispiel für Dienstlcute, welcke lieber ihren Dienst mei-
den, als von dcr Dienstherrschaft zum Bösen sich mißbrauchen lassen
sollen! — Tobias, ein Arzt, und deshalb in den Häusern dcr Chri-
sten mehr, als die Andern bekannt, nahm es jetzt auf sich, das
Opfer zu liefern. Zur Ausführung des gräulichen Vorhabens wählte
er den Abend des Donnerstags, als die Christen in dcr Mette wa-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen