Page - (000624) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
Image of the Page - (000624) -
Text of the Page - (000624) -
022 Der heilige Johannes uon Fakundo :c.
Geschicklichkeit ausrichtete. Er hatte bis daher einen ganz untadel-
haften Wandel geführt, und man bemerkte sogar an ihm eine mehr,
als bei dem größten Theile der Christen, gewöhnliche Tugend; allein
die Gnade öffnete ihm die Augen, und er nahm wahr, daß noch
inchr erfordert wcrde, ein vollkommener Jüngling zu seyn. Er bc-
mcrkte wesentliche Fehler an sich, und bestrebte sich ernstlich, sie zu
verbessern. Vor allem wollte er sich von dem geräuschvollen Leben und
den zerstreuenden Geschäften, die er für das vorzüglichste Hinderniß
seiner geistigen Vervollkommnung erkannte, losmachen. In dieser
Absicht bat er, den Bischof, von den ihm anvertrauten Pfründen u»d
Geschäften ihn zu entlassen. Der Bischof gewährte die Bitte, aber
nur sehr ungern, weil es ihm schwer siel, eines so guten und thäti-
gen Mannes beraubt zu seyn. Johannes nahm bei der Pfarrkirche
zu St. Agatha die Kaplanci mit sehr geringen Einkünften an. Da
entrichtete er täglich das hochheilige Opfer, und widmete sich mit
großem Eifer dem Prcdigtamte, durch das er vielen Segen stif-
tete. Im Gebethe, in heiliger Betrachtung und in strenger Ab-
tödtung des Fleisches fand sein Gemüth das höchste Vergnügen,
und sein Geist gelangte mit jedem Tage mehr zur Erkenntniß, wie
hinfällig und trügerisch alle blos irdischen Bestrebungen und Hoff-
nungen seyen.
Sich in den geistlichen Wissenschaften noch mehr zu vervoll-
kommnen, begab er sich im Jahre 145U nach Salamanca, wo er
sich neben den wissenschaftlichen Bemühungen, bei dem berühmten
Stifte zu St. Bartholomäus als Kaplan auch der Seelsorge wid-
mete , in der nahe gelegenen Pfarrkirche zu St. Sebastian die got-
tesdienstlichen Handlungen verrichtete, und sowohl da, als in andern
Kirchen der Stadt predigte. Die Wissenschaften trieb er mit so
glänzendem Erfolge, daß er alle akademischen Ehrengrade erlangte.
Ein körperliches Leiden gab seiner Lebensbestimmung eine andere
Richtung. Er litt lange und heftig an Steinschmerzcn, entschloß
sich endlich zur Operation, und machte das Gelübde, die Welt gänz-
lich zu verlassen, wenn dieselbe glücklich vorübergehen würde. Sie
hatte den gewünschten Erfolg, und Johannes ging nach reifer Ue-
bcrlegung zu den Einsiedlern des heiligen Augustin in Salamanca,
wo er, beiläufig 49 Jahre alt, das Ordenskleid empfing. Nach-
dem er die Prüfungüzeit auf die rühmlichste Weise bestanden, und
in derselben bewiesen hatte, daß er im geistigen Leben schon sehr
große Fortschritte gemacht habe, legte er um das Jahr 1468 die
feierlichen Gelübde ab. Gleich Anfangs zeigte er sich als einen
vollkommenen Ordensmann, so daß er in den Uebungen des Gehor-
sams, der Demuth, der Adtödtung, des Gebethes und der geistlichen
Betrachtung hinter den uolltommensten der Brüder nicht zurückstand.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen