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634 Der. selige Nikolaus von der Flue, Einsiedler.
mit Gott. Nur eines dieser Gesichte soll hier kurz erzählt werden:
Einmal wanderte er, in Gedanken vc.tieft, auf seiner Fluc auf und
ab. Plötzlich überraschten ihn himmlische Töne. Als cr aufsah,
stand e,n ehrwürdiger, schöner Greis vor ihm, und sang überaus
lieblich und wunderbar, bald mit einer, bald mit drei Stimmen.
Nikolaus war ganz entzückt. Dann na!,ertc sich il,m dcr Greis,
und begehrte ein Almosen, ^reuiidüch gab cr ihm eines. Der ehr:
würdige Alte dankte, und verschwand. Sehnsuchtsvoll breitete Ni-
kolaus seine Arme zu Gott gcn Himmel aus, mit dem Rufe: >,Du
willst also nicht das Meinige, du willst mich selbst! Ach wenn ich
nur ttüßte, wie ich Gott auf die gefälligste Weise dienen könnte!-
Das Dar nun der Inhalt seines steten Gebethes. So sichte er cm-
mal <uf dem Wege nach seiner Wiese, wohin er mit den Seinigen
ging, um Heu zu sammeln. Da umglänztc ihn eine lichte Wolke,
aus nelcher eine Stimme sprach: „Was thust du so ängstlich Niko-
laus ^ Merke auf Gottes Willen, und verlasse dich nicht auf eigene
Kraft. Ueberlaß dich Gott allein, und das! Uebrigc laß für immer
fahren," Jetzt war sein Muth unerschütterlich, und sein Entschluß
fest, 5ch ganz dem Willen Gottes zu überlassen, und für Gott Al-
les hinzugeben. Er verstand es ganz klar, daß er Gott mit jener
Rcinickeit und Vollkommenheit suchen und dienen müsse, wie die
ersten Jünger des Herrn, die Weib und Kinder und alle reizenden
Hoffnuigcn dcr Welt verließen, um sich ungestört und ungethcilt
dem Evangelium und dcm geistigen Wohl dcr Gläubigen widmen
zu köinen. Cr sah es deutlich ein, das, auch er Gott zu lieb sein
theures Weib und seine geliebten Kinder verlassen, und sich für die-
ses Leb'n von ihnen trennen müsse.
Ikch langen und heftigen Kämpfen, in denen fein gläubiges
Vertanen siegte, eröffnete er dcr guten Frau sein ganzes Herz,
seine g'oße Neigung zum abgeschiedenen Leben, und die offenbaren
Gnadeizüge Gottes, welche ein ganz christliches Leben, und das
Opfer, Alles zu verlassen von ihm verlangten. Er bat beherzt um
ihre Enwilligung. Nachdem Dorothea heiße Thränen dcr Liebe ge-
weint >attc, nachdem sie weislich Bedenkzeit und reife Ucbcrlegung
gefordert; nachdem auch die besonnensten Freunde zu Rathe gezogen
wurdci, welche hierin den Willen Gottes nicht verkennen konnten,
nachden lange und vereint gebethet worden: so brachte dieses Weib
mit bewunderungswürdigem Hcldenmuthe das Opfer, und trennte
sich cns höherer Liebe Gottes von ihrem innig geliebten Manne.
Diese 'reie und ungezwungene Einwilligung seiner Ehefrau, die ihn
so seh» liebte, war nicht bloß ihm, sondern Jedermann ein Beweis,
daß iha wirklich der Wille und Ruf Gottes zum Einsiedlerleben
antrcik. Nun hinderten ihn keine andern Pflichten. Dem Vater:
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen