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«38 Der selige Nikolaus von der Flue, Einsiedler.
seinen weisen Rathschlägen ein wunderbarer Retter. Durch seine
Fürbitte wurde einst eine Brunst in Sarnen, die den ganzen Facten
zu zersiörcu dro!>te, plötzlich gelöscht. Die Aussöhnung d.'s Herzogs
Sigismund mit sämintlichen Eidgenoffeu verdankten diese, nicht olnie
Grund, seinem frommen (^deche, so wie auc!, den Sieg über (5arl
von Burgund. Als nach diesem Siege unter den Eiogeüoffe» selbsi
ein Zwist entstand, den eine gänzliche Trennung, und durch sie das
größte Unheil für's Vaterland drohte, war es Nikolaus, der sanft,
aber kraftvoll zu oen in Staus versammelten Abgeordneten der
Stände sprach. Eine unsichtbare Kraft und Salbung weihte seine
Worte, und bahnte ihnen Eingang in die gerührten Herzen. Die
gänzliche Aussöhnung ward dergestalt.
Nikolaus war begnadiget mit einem tiefen Blicke in der Mem
schen Herz, und in die Zukunft. Eine vornehme Frau führte das
Weib ihres Sohnes zu ihm. Die junge Frau war gar zu köstlich
gekleidet. Nikolaus sah mit ernstem Blick auf sie, uno sprach fol-
gende furchtbare Worte: .^Trägst du solche Kleider aus .Hoffart, so
wisse, daß du aus dem Himmel wieder verstoßen würdest, auch wenn
du schon darin wärest; und gewöhnest du deine Kinder, deren du
viele bekommen wirst, zu solcher Ueppigkeit, so wirst du nie vor
Gottes Angesicht kommen." Er hielt einige Augenblicke feierlich
inne, dann fuhr er fort: „Deine Kinder werden dir viel zu schaffen
geben; und wenn sich einst ereignet, daß du ein feuriges Scheit er:
greifest, um Frieden zu schaffen unter ihnen, so gedenke meiner
Rede." Diese Person ward Mutter von eilf Kindern, und was
Nikolaus vom feurigen Scheite sprach, erfolgte. Einst besuchte ihn
ein junger Mensch, eitel und neumodisch gekleidet, mehr aus Vor-
witz, als aus frommer Absicht, »nd fragte den Heiligen: .,Wie ge-
falle ich dir in dieser neuen Tracht?" Nikolaus entließ ihn mit
der Antwort: „Wenn das Herz und die Meinung gut ist, so ist
Alles gut; doch würde es dir besser stehen, wenn du diese Eitelkeit
fahren ließest, und dich an die Einfalt unserer Klcidertracht halten
wolltest." Eine Frau, die von Eifersucht hart gequält wurde, kam
in den Ranft, bei Nikolaus Rath und Fürbitte zu suchen. Vor
Menge der Anwesenden fand sie aber keine Gelegenheit, sich ihm
insgeheim zu entdecken. Traurig ging sie in die Kapelle, ihre Noth
Gott zu klagen, und wollte dann wieder nach Hause. Nikolaus
kam auch in die Kapelle, und sprach vor dem zahlreich anwesenden
Volke: ->Es ist eine Frau unter euch, die auf ihren Mann, und
eine andere Person einen Verdacht hat. Der Verdacht ist grund-
los , sie thut diesen Personen Unrecht, sie mag also deßhalb ganz
ruhig nach Hause kehren." Das Weib dankte Gott, und war von
ihrer Qual befreit.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen