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642 Der heilige Franziskus von Paula, Drdensstifter.
heu »ie aus den Augen verlieren, sollten sie den Namen „Minima
(Geringste, Mindeste) führen, gleichsam dadurch anzudeuten, daß sie
sich für die Letzten im Hause des Herrn erkennen. Der Vorsteher
jedes Hauses dieses Ordens sollte nur Korrektor heißen, u»d sich
beständig erinnern, daß er der Diener der Uebrigen sey, nach dem
Ausspruche des SolMZ Gottes: „Wer unter euch der Größte ist,
der soll wie der Geringste, und wer vorgeht, wie der Diener semi.-
Luk. 22, 26. Franziskus selbst war ein vollkommenes Vorbild der
tiefsten Demuth. Obgleich allgemein, selbst von Königen und Päp-
sten, sehr hoch verehrt, betrachtete er sich doch als den geringsten
Menschen. Wenn man ihn hörte, war er nur ein elender Sü»
der, der die Lehre Jesu des Gekreuzigten erforsche. Seine De-
muth war um so fester gegründet, weil er sie selbst an sich nickt
erkannte.
Der neue Orden und seine Regel wurde förmlich bestätiget,
zuerst im Jahre 1471 von dem Erzbischofe von Loscnza, und dann
vom Papst Sirtus IV. durch eine Bulle vom 2H. März 1474,
welche den Stifter des Ordens auch zum Ordensgeneral ernannte.
Anfänglich zählte Franziökus unter seinen Jüngern nur einen einzi-
gen Priester, den Balthasar Spino, welcher Doktor der Rechte, und
nachher Beichtvater des Papstes Innozenz VI I I . war. Bald ver-
mehrte stch nun mit der Zahl der Ordensglieder auch die Zahl der
Ordenshäuser. Eines ward im Jahre 1476 zu Paterno am Meer:
dusen von Tarent, ein anderes zu Spezza, in dem Bisthumc Co-
senza, gegründet. Einige Zeit darnach reiste Franziskus nach Siei-
lien, wo er, wie ein Engel des Herrn aufgenommen wurde. Er
wirkte daselbst mehrere wunderbare Heilungen und gründete ein Klo-
ster, von welchem bald andere ausgingen. Zurückgekehrt nach Ca-
labrien, legte er den Grundstein eines solchen zu Eorigliano, in dem
Bisthume Nossano. Durch freimüthige Ermahnungen, die er dem
Könige Ferdinand von Neapel und dessen Söhnen, Alphons und
Johann, gegeben hatte, zog er sich das Mißfallen dieser Herren zu.
Ferdinand suchte eine Gelegenheit, sich an ihm zu rächen. Er fand
sie in dem Vorwande, daß Franziskus ohne Erlaubniß in seinem
Königreiche Klöster erbaut habe; und als er hörte, daß der Diener
Gottes im Kloster zu Paterno sich befinde, schickte er einen Schiffs-
hauptmann dahin, mit dem Auftrage, ihn zu ergreifen, und nach
Neapel in's Gefängniß zu führen. Da der Hauptmann den Heili-
gen erblickte, waro er so gerührt durch dessen Demuth und Bereit-
willigkeit , ihm zu folgen, daß er sich nicht getraute, etwas gegen
ihn zu unternehmen. Er kehrte zum Könige zurück, und brachte ihn
auf andere Gesinnungen.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen