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Am 8. März. 651
müthcs Johannes war, so war seine Sanftmuth doch nichts weniger
als Schwache. Von Natur hatte er eine überaus feurige Gemüths:
art, und bei mancher Veranlassung gab er Beweise wahren Muthes.
Als er daher zwischen Entschlüssen über seine künftige Lcbensbestinn
mung schwankte, und plötzlich die Kriegsposaune ertönte, griff er zu
den Waffen, reihte sich unter die Fahnen des Herzogs von Oropcsa
und focht als ein Held in dem Kriege, den im Jahre 1522 Spa-
men gegen Frankreich führte.
Bald welkten indeß hier die zarten Iugendblüthcn des uner-
fahrnen Jünglings, und hingerissen ward er von dem Strome böser
Beispiele seiner Gefährten; wiewohl das Toben braußcnder Leiden-
schaften es nimmermehr vermochte, sein innerstes Bewußtseyn ganz
zu betäuben; denn oft ertönte die göttliche Stimme zu den innern
Ohren seines Herzens, weßhalb er auch nicht selten bitterlich weinte,
ja sogar den Kriegsdienst auf einige Zeit verließ, und nach Oropcsa
zurückkehrte. Nicht lange hernach erwachte aber wieder die Flamme
seines kriegerischen Muthes, und zwar um so mächtiger, als es den
Erbfeind des christlichen Namens galt. Freudig und muthvoll zog
er daher unter Karl V. nach Ungarn gegen die Türken zu Felde,
und kehrte erst nach den glänzenden Siegen, die das Hcer über den
Feind der Christenheit erfocht, mit seinen Kriegsgcfährten in sein
Vaterland zurück; da erfuhr er den Tod seiner beiden Eltern, und
tief erschütterte ihn der Gedanke an die Flüchtigkeit des irdischen Le-
bens. Mit inniger Wehmut!) verglich er die Reinheit seiner frühern
Jugendjahre mit dem gegenwärtigen Stande seines Gewissens, und
cs reifte der Entschluß in ihm, seine Vcrirrungen durch das Opfer
eines reumüthigen Herzens und durch einen gottgefälligen Wandel
zu sühnen. Sem Eifer trieb ihn nach Afrika, wo er beschloß, die
christlichen Sklaven zu trösten, und sie mit Hilfe und Rath, und
liebreicher Milde zu unterstützen. Ein nicht geringer Beweggrund,
der ihn zu dieser Reise trieb, war die Hoffnung, daselbst die Mar-
terkrone zu erringen. Er schlug den Weg nach Gibraltar ein, dort
sich einzuschiffen, und traf zufällig mit einem edlen Portugiesen zu-
sammen, der mit seiner Gattin und einer zahlreichen Familie in die
Verbannung nach Ceuta, in die Barbarei, abgeführt ward.
Mit inniger Rührung hörte Johannes das Unglück seines Lands-
manncs, schloß sich an ihn an, und diente dem Unglücklichen mit
herzlicher Liebe und heldcnmüthigcr Sclbstuerläugnung. Denn kaum
waren sie nach Afrika gekommen, so befiel, des ungewohnten Kli-
mas wegen, den Edelmann eine schwere Krankheit, und bald gericth
die betrübte Familie in die äußerste Noth, da sie gezwungen war,
ihre wenige mitgebrachte Habe zu verkaufen. Mitleidig unterzog
Johannes sich lange Zeit hindurch den schwersten Arbeiten, und
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen