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Am 8. März. 653
seinem eigenen Heile sowohl, als dem Nutzen des Nächsten ersprieß-
licher wäre. Höchlich erstaunten die Verwalter des Hospitals über
ihren Irrthum, und plötzlich verwandelte sich die Verachtung der
Stadt in hohe Bewunderung einer Tugend, die über den gewöhnli-
chen Begriff so hoch erhaben war.
Ganz gereinigt und in einen neuen Menschen umgewandelt,
verließ nun Johannes das Haus, und legte, nach einer allgemeinen
Beicht das Gelübde ab, Gott freiwillig in den Armen zu dienen.
Unverzüglich fing er auch an, da er früher schon alles Eigenthum
den Armen geschenkt hatte, und kaum dürftig gekleidet war, Holz
zu sammeln, und es bündelweise auf dem Markte zu verkaufen, , id
den Erlös den Armen mitzutheilen. Vielem Gespötte war er aus-
gesetzt; als ihn einst Jemand fragte, ob er sich nicht schäme, sein
Holz bündelweise feil zu tragen, antwortete er: „Hat der Herr Je-
sus sich nicht geschämt, sein Kreuzholz vor ganz Jerusalem auf sei-
nen heiligen Schultern zu tragen, und der Beschimpfung der Juden
sich preiszugeben, wie dürfte ich unnützer Mensch mich schämen?"
Da seine Demuth und sein Eifer, den Armen, zumal den armen
Kranken zu dienen, täglich mehr kund wurde, erhielt er in kurzer
Zeit ziemlich reichliches Almosen, und sah sich durch die besondere
Unterstützung einiger gottesfürchtiger Seelen im Stande, einen Lieb-
lingswunsch auszuführen, der ihm lange am Herzen gelegen war.
Er miethete nämlich ein Haus, in welches er arme Kranke aufnahm,
nno für ihre kölp^lichen sowohl, als für ihre geistigen Bedürfnisse
mit einer Thätigkeit, Liebe und Wirthschaft sorgte, die bald allge-
meine Bewunderung erregten. Dieß arme Haus war der Grund-
stein zu jenen prächtigen Hospitälern, die später fast in allen Staa-
ten Europas znm Troste der leidenden Menschheit emporstiegen, und
in einigen derselben noch blühen. Bald ward der Ruf der Barm-
herzigkeit des Johannes so groß, daß von allen Seiten Nochleidende
und Kranke an ihn, als an den Bater der Armen, um Hilfe und
Trost sich wandten. Sehr erbauten sich Granadas Bewohner an
einer so ungewöhnlichen Liebe, und gerne reichten sie dem Manne
Gottes Arzneien, Geld und sonstige Hilfe, wenn er ihre Mildthätig-
keit für seine Armen in Anspruch nahm. Selbst der Erzbischof be-
suchte die arme Herberge, und erstaunte über die bewunderungswür-
dige Ordnung, Reinlichkeit und Fürsorge sowohl für die geistlichen
alo körperlichen Bedürfnisse der Kranken, spendete selbst bedeutende
Summen, eine so trostreiche Stiftung dauernd zu begründen, und
manche Andere folgten seinem Beispiele nach.
Der Bischof von Thun, der über die scharfsinnigen Antworten,
die Johannes auf seme Fragen ihm gab, erstaunte, legte ihm den
Namen ,,vou Gott^ bei, und rieth ihm, ein anständiges, seinem
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen