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654 Der heilige Johannes von Gott :c.
Stande angemessenes Gewand zu tragen, das i-hm leiclnern Zutritt
zu den Großen bahnte, die durch UmvmlichrVit zurückgeschreckt wer-
den dürften. Er ließ ihm ein langes Kleid, von aschgrüner Farbe,
nebst einem ledernen Gürtel verfertigen, und befahl ihm, also geklei-
det zu erscheinen. Der Heilige dachte nie daran, einen Orden zu
stiften, weßwegcn er seinen Jüngern weder ein Gewand, noch eine
Ordensregel vorschrieb. Sein Beispiel allein war die Regel seiner
Brüder, denen er die Worte: .,Thut Gutes, meine Brüder!'- so oft
wiederholte, daß sie ihnen zum Wahlspruche wurden. Nach dem
Vorbilde des göttlichen Meisters that' er zuerst, was er. lehrte. Er
erwies den Kranken die niedrigsten Dienste, reinigte ihre Wäsche, die
gegen große Vergeltung Niemand reinigen wollte, tröstete sie lieb-
reich, ermähnte und kräftigte sie, ja sogar sog er einst einer mit
schweren Beulen behafteten Person den Eiter aus den Geschwüren,
-und sprach zu Jemanden, der sich darüber verwunderte: „Der Sohn
Gottes trug kein Bedenken, unsere unreine Natur an sich zu neh:
men, und unsere Unreinigkeiten mit seinem Blute abzuwaschcn."
Seine sorgfältige Liebe beschränkte sich nicht bloß auf die Kranken
seines Hauses, sondern erstreckte sich auch auf wahre Hausarme die
sich des Bettclns schämten; insbesondere verwendete er sich für solche,
die von höherem Stande, ohne ihr Verschulden, in Armuth gera-
then waren; und mit väterlicher, oft sehr sinnreicher Sorgfalt wußte
er armen Handwerkern Arbeit zu verschaffen. Dabei war sein Ver-
trauen auf die göttliche Vorsehung ohne Gränzen, die ihn auch oft
auf wunderbare Weise unterstützte. Sehr oft gab er alles, was er
hatte, den Nothleidenden hin, vertrauend, daß Gott ihm für die
Befriedigung der nächsten Bedürfnisse seiner Armen und Kranken wie-
der Hilfe senden werde. Einst brach im königlichen Hospitale zu
Granada Feuer aus. Jedermann verzweifelte an der Rettung der
erbärmlich schreienden Kranken. Johannes, erglüht von heiliger
Liebe, eilte herzu, arbeitete sich mitten durch Rauch und Flamme
hindurch, nahm die gefährlichsten Kranken zu zwei und zwei auf
seine Schultern, trug sie nacheinander hinweg, und ließ andere an
Stricken durch das Fenster hinab. Er ward endlich so von den
Flammen auf allen Seiten eingeschlossen, daß keine menschliche Hoff-
nung mehr für seine Rettung war. Allein wunderlich schützte die
Vorsehung, wie in vielen andern Fällen, auch hier ihren Diener;
denn weder er, noch irgend ein Kranker ward beschädigt.
Ein gewisser Antonius Martini kam nach Granada, Rache an
einem andern vornehmen Manne zu fordern, Don Pedro Velasko
genannt, der dessen Bruder ermordet hatte. Mit aller Glut der
Rachsucht arbeitete Antonius an der Beschleunigung des gerichtlichen
Todesurtheils, ohne den vielen Bitten, von seiner Rache abzustehen,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen