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664 Der heilige Ignatius von Lojola :c.
abgesprungener Stein an den linken Schenkel, und eine Kanonenku-
gel zerschmetterte ihm das rechte Schenkelbein. Er gerieth in die
Hände der Feinde, die seine Tapferkeit bewunderten, daher großmü-
thig ihn behandelten. Sie trugen ih» in das Lager ihres Hcerfüh-
rers, und schickten ihn, sobald seine Wunden besorgt waren, in ei:
nem Tragscssel in das seinem Vater zugehörige Schloß Lojola, wel-
ches nicht weit von Pampelona entfernt lag. Daselbst angekom-
men, fühlte er sehr heftige Schmerzen, und die herbeigerufenen Wund:
ärzte erklärten, daß man, weil Bein? ihrer Stelle entrückt seyen,
den Schenkel neuerdings einrichten muffe. Er unterzog sich ohne
Widerrede der schmerzlichen Behandlung, und ließ während derselbe»
nicht einen Laut der Klage von sich hören. Nun ward er abcr von
einem Fieber befallen, das ihn dem Rand des Grabes sehr »al,c
brachte. Die Aerzte gaben alle Hoffnung seiner Rettung auf. Er
empfing die heiligen Satramente der Sterbenden am Vorabende des
Festes der Apostel Petrus und Paulus. Bald darauf wich das
Fieber, und er ^befand sich eben so bald als unerwartet außer aller
Gefahr, was er der Fürbitte des heiligen Petrus vorzüglich zu-
schrieb. Die Todesgefahr hatte seinen Weltsinn nicht geändert.
Sein Fuß ward zwar getheilt, aber durch ein unter dem Knie her-
vorragendes Bein verunstaltet, was ihn auch hinderte, wohlgcschlos-
sene Stiefel zu tragen. Er ließ sich, ungeachtet der dringendsten
Vorstellungen, daß es mit fürchterlichen Schmerzen verbunden sey,
das Bein wegnehmen, und nachher auch mehrere Tage lang durch
Maschinen sich quälen, durch welche der etwas kürzer gewordene
Schenkel dem andern gleich gemacht werden sollte. Diese letzte Be-
handlung blieb jedoch ohne Erfolg. Die lange Weile, die ihn wäh-
rend seines Aufenthaltes im Bette quälte, zu vertreiben, verlangte
er weltliche Geschichten zu lesen. Da aber die, welche um ihn wa-
ren, ihm solche nicht geben konnten, brachten sie ihm oas Leben
Jesu und der Heiligen. Er las anfänglich diese Bücher nur zum
Zeitvertreibe, ohne das geringste Vergnügen daran zu finden; nach
und nach gewann er sie aber, weil Gottes Gnade in seinem Ge-
müthe wirksam zu werden anfing, so lieb, daß er ganze Tage da-
mit zubrachte. Er konnte nicht müde werden, an den Heiligen die
Liebe zur Einsamkeit und zum Kreuze zu bewundern.
Endlich faßte er den Entschluß, ihrem Beispiele zu folgen, die
heiligen Orte zu besuchen, und dann in eine Einsiedelei sich zu ver-
schließen. Diese guten Regungen seines Herzens wurden abcr bald
sehr heftig bekämpft von der tief eingewurzelten Ruhmbegierde, und
von der geheimen Neigung zu einer Frauensperson am tastilifchen
Hofe. Sein Gemüth ward lange, wie das Schiffchen im brausen-
den Sturme herumgeworfen, bis es endlich, durch die Gnade über-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen