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Am 31. Juli. 665
wältigt, fühlte, daß es sich in dem Gedanken an jene fromme Ent-
schließung weit ruhiger und getrösteter finde, als in der lebhaftesten
Vorstellung des Genusses dieser wildtobenden sinnlichen Neigungen.
Unerschütterlich ward nun der Vorsatz, dcn Fußstapfcn der Heiligen
zu folgen. Strenge Abtö'dtnng der Sinnlichkeit war das erste,
worin er sich übte. In jeder Nacht stand er auf, bethete und be-
weinte, auf den Boden hingeworfen, bitterlich seine Sünden. Da-
durch ward sein Herz den Einflüssen der Gnade immer mehr geöff-
net, und endlich ganz geläutert von aller sinnlichen 3ust. Vergeb-
lich war das Bemühen seines Bruders, Don Bertram, der jetzt Herr von
Lojola war, ihn in der Welt zurückzuhalten. Ignatius bestieg, sobald er
genesen war, ein Pferd, und ritt von Lojola weg, begleitet von zwei
Bedienten. Man ineinle, er werde nur den Herzog von Najara, der
in der benachbarte» Stadt Navaret sich aufhielt, besuchen. Allein
in Najara schickte er die Bedienten zurück, verfügte sich in das, auf
einem Berge gelegene Benediktinerkloster Montserrat, welches unge-
fähr eine Tagreise von Barcelona entfernt lag. Da wandte er sich
an dcn Johannes CanoneS, der als ein vollkommenes Muster aller
christlichen und aller klösterlichen Tngcndcn allgemein bewundert
wurde, legte ihm das Bekenntniß aller seiner Sünden ab, und ge-
lobte , sich ganz dem Herrn in beständiger Keuschheit zu weihen.
Der fromme Beichtvater bekräftigte ihn in seinem Vorhaben. Nach-
dem Ignatius am Feste der Verkündigung Maria die heilige Kom-
munion empfangen hatte, hängte er seinen Degen an einem Pfeiler
neben dem Altare auf, dadurch anzuzeigen, daß er dem weltlichen
Kriegsdienst entsagte, und verließ, mit nichts Anderem versehen, als
mit dcn Büßungswerkzcugen, die er von dein Beichtvater begehrt
hatte, Montserrat. Er hatte seine Kleider einem Armen gegeben,
und sich ein Pilgcrgewand angeschafft. Der Arme wurde aber ein-
gezogen, und wegen des Verdachtes, als habe er die Kleider gestoh-
len, in's Gefängniß gelegt. Den Unglücklichen zu befreien, sah Ig-
natius sich genöthigt, die Wahrheit zu bekennen; seinen Namen und
Stand wollte er aber nicht angeben. Im Pilgergewande, mit ei-
nem Pilgerstab in der Hand, und einer Kürbissiaschc an der Seite,
mit entblößtem Hauptt, und einem entblößten Fuße, dcn andern
mußte er wegen der erst schwach vernarbten Wunde bedeckt halten,
kam er in das drei Stunden von Montscrrat entlegene Städtchen
Manrcza, wo er sich sogleich in das in demselben befindliche Spital
für Pilgrime und Kranke verfügte. Da kasteiete er sehr hart seinen
Leib durch Fasten und andere schwere Bußübungen. Alle Tage
wohnte er dem Gottesdienste bei, bethete mehr als sieben Stunden
auf den Knieen, empfing jcdcn Sonntag das heilige Abendmahl,
und stellte sich ia Allem als ein Muster der tiefsten Demuth dar.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen