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660 Der heilige Ignatius von Lojola :c.
In eckclhaftcm Anzüge bettelte er das Brod von Thür zu Thür,
und hatte deßhalb viele Unbilden und Spöttereien zu ertragen, die
er allc olme Widerrede duldete, in scmem Herzen sich freuend, der
Schmach des Kreuzes thcilliasng zn werden. Aber gerade dadurch
und durch die verbreitete Kunde, >v.iv nxt ft,„e,u Kleide vorgcgan:
gen sey, erwarb cr bald wider seinen Willen große Bewunderung.
Dieser zu entgehen, verbarg cr sich sechshundert Schritte von der
Stadt in eine düstcrc Felsenhöhle, wo er seine Bußübungcn verdop:
pclte, und in denselben endlich so wcit ging, daß seine Gesundheit
erliegen mußte. Einrs Tages fand man >l)n halb todt am Ein:
gange der Höhle, und brachce ,hn in das Spital von Manreza zu:
rück. Da ward cr von Gott geprüft d»rch cmc fürchterliche Qual
der Gcwiffcnsangst, in der er bei jedem Schritte zu sündigen glaubte.
Oft gab cr sich der Verzweiflung hin, und versank endlich in eine
düstre Schwermuth. Er hörte indessen doch nicht aus, z» bethen,
überzeugt, daß die Prüfungen i» der Ha„d Gottes ein Mittel zu
unserer Heiligung sind. Endlich kehrte wieder Ruhe und friede ,»
sein Herz zurück, und cr kostete aufs Neue jene geistigen Süßigkei:
ten, bei deren Ermanglung er der schrecklichsten Gcistesdürrc hinge:
geben war. Er wurde vieler außerordentlicher Gnadenbezeugungen
von Gott gewürdiget, die cr aber sorgfaltig verbarg. 3iur allein
seinen b'ewiffcnoräthen, einem Dominikaner zu Manreza, und dem
obenerwähnten Gottesmann zu Montserrat, den cr alle Wochen be:
suchte, offenbarte er, was in seiner Seele vorging, um sich gegen
die Gefahr der Tauschung zu bewahren. Oft hatte cr Verzuckun:
gen, und da wurde ihm hohe Erleuchtung in der Religion, in deren
Lehren cr noch sehr wenig unterrichtet war, zu Theil. Der heilige
Gcist unterrichtete ihn während seines Aufenthaltes in Manrcza bes-
ser, als alle Bücher es zu thun vermocht hätten.
Ignatius, der anfanglich nur mit seiner eigenen Vervollkomm-
nung sich befassen wollte, fühlte sich jetzt gedrungen, auch an der
Heiligung seiner Mitmenschen zu arbeiten. „Es ist nicht genug,"
sprach er, »daß ich Gott diene, es muffen alle Herzen ihn lieben,
und alle Zungen ihn loben/- In dieser Gesinnung verließ er seine
Einsamkeit, und um jene, die cr Gott zuführen wollte, nicht abzu:
stoßen, legte er Alles ab, was sein Aeußeres Eckelhaftes und >lb
schreckendes hatte; zugleich mäßigte cr seine übertriebenen Bußübun-
gen, und fing an, die Sünder zur Buße und zu den Uebungen der
Tugend zu ermähnen. Um diese Zeit verfaßte er das herrliche Buch:
lein, welches jetzt noch unter dem Titel: „Geistliche Uebungen >.es
heiligen Ignatius'- bekannt ist, zur Erbauung und Förderung des
innern Lebens der Glaubigen. Er hatte zehn Monate in Manreza
verweilt, als er diese Stadt verließ, nicht achtend dic Thränen der
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen