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L88 Der heilige Franziskus von Xavier ic.
und Krämpfe verfiel. Auf dieses folgte ein solcher Widerwille an
Speis und Trank, daß er nichts mehr genießen konnte. Sein An-
gesicht blieb indessen immer heiter, und sein Geist ruhig. Bald er:
hob er seine Augen zum Himmel, bald heftete er sie auf sein Kru-
zifix. Endlich am 2. Dezember, welcher ein Freitag war, indem
er mit betyränten, und zärtlich dem Bilde des Gekreuzigten zuge-
wandten Augen, die Worte sprach: „Herr, auf dich habe ich mein
Vertrauen gesetzt, ich werde nicht zu Schanden werden!" gab er
von himmlischer Freude entzückt, die von seinem Angesichte wieder-
strahlte, den Geist auf, im Jahre 1552 — sechs und vierzig Jahre
alt, wovon er zehn und ein halbes in Indien zugebracht hatte.
Eein Leichnam wurde in einen ziemlich großen Sarg gelegt,
und mit ungelöschtem Kalke bedeckt, um die Gebeine, wenn das
Fleisch verzehrt sey, nach Goa mitnehmen zu können. Am 17.
Hornung 15,">^ öffnete man den Sarg und fand, nach Wegnahme
des Kalkes, das Gesicht frisch und blühend, wie das eines schlafen-
den Menschen. Auch der Leib war ohne Spur der Verwesung; bei
einem Schnitt in's Knie floß noch Blut. Die priesterlichen Kleider,
in denen der Heilige beerdiget worden, waren unverletzt, und der
Leichnam verbreitete Wohlgcruch. Man brachte ihn zu Schiffe am
22. März nach Malaga, wo er mit großer Ehrfurcht empfangen
wurde. Plötzlich verschwand die Pest, die eben in dieser Stadt hef-
tig wüthete. Er wurde auf dem allgemeinen Kirchhofe beerdiget.
Als man ihn aber im Augustmonate noch unversehrt fand, wurde er
nach Goa gebracht, wo er am 15. März 1554 in der Kirche des
Collegiums zum heiligen Paul beigesetzt wurde. Bei diesem Anlasse
erfolgten mehrere wunderbare Heilungen. Franziskus Xavierius
wurde im Jahre 1621 von Gregor XV. in das Verzeichniß der
Heiligen aufgenommen, und im Jahre 1747 von Benedikt XIV,
als Patron aller Lander Ostindiens zur Verehrung vorgestellt. Noch
im Jahre wurde 1744 wurde der Leichnam bei einer Untersuchung,
welche von dem Erzbischofe zu Goa, und von dem Vicekönige In -
diens, Castel-Nuouo, auf Befehl des portugiesischen Königs Jo-
hann V. vorgenommen ward, ganz unversehrt gefunden.
?,Wir sollten aus Erfahrung lernen, wie gar schwach wir seyen,
wenn wir uns auf unsere eigene oder andere menschliche Kräfte
stützen. Denn wenn du recht fühlest, wie trügerisch alle deine irdi-
schen Hoffnungen seyen, wenn du voll Mißtrauen auf Menschcnhilfe,
dein ganzes Vertrauen auf den allein bauest, der alle Dinge lenket,
und der allein die Gefahren zernichten kann, denen man sich um
seinetwegen hingegeben hat: O, dann magst du zu einer festen Ue-
berzeugung und gleichsam zu einem Erfahrungsbeweise kommen, daß
alle Dinge unter Gottes Aufsicht stehen und von seinem allmächtigen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen