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692 Der heilige Stanislaus Kostka :c.
indem er erklärte, fest entschlossen zu seyn, dem höhern Rufe zu folgen.
Ohne alle Unruhe und Verwirrung setzte er die Erfüllung der Psiichten,
die er als Noviz hatte, mit großem Eifer fort, und überließ alle weitere
Sorge dem Herrn, auf den allein er vertraute. In Allem suchte er den
Willen Gottes zu erfüllen, und bewies daher auch die gebührende
Ehrerbietung und den pünktlichsten Gehorsam seinen Obern, die er
nicht anders, als für die Stellvertreter Gottes ansah. Von Herzen
demüthig, erniedrigte er sich unter Alle, verschmähte alles Lob, und
bceifcrte sich, Allen zu dienen. Seine körperlichen Abtödtungen kann:
ten keine andere Gränze, als welche von dem Gewijsensführer vor-
geschrieben wurde. Sein Gemüth war fortwährend vereinigt mit
Gott; sein Gebeth immer voll Inbrunst; und seine geistliche Be-
trachtung begleitet von Gefühlen der seligsten Rührung. Seine
Liebe zu Jesus in dem heiligsten Altarssakramente war so glühend,
daß sein Angesicht, wie vom Feuer brannte, wenn er in die Kirche
trat. An den Communiontagen wußte er nur von dem Uebermaaß
der Liebe zu reden, die uns Jesus durch den Genuß seines heiligsten
Leibes und Blutes erzeigt. Dauon sprach er oft so ergreifend,
daß die bewährtesten Geistesmänncr nicht müde wurden, ihn an-
zuhören.
Eine innerliche Ahnung sagte dem Stanislaus, daß seine letzte
Stunde herannahe. Er sprach daher zu Mehrern am Anfange des
Augustmonats: alle Menschen müßten zwar über sich selbst wachen,
weil sie alle Tage sterben könnten, er selbst aber müsse jetzt ganz
vorzüglich wachen, weil er sicher das Ende des Monats nicht erle-
ben werde. Einige Tage nachher unterhielt er sich mit dem Pater
Emanuel. So über das Fest der Himmelfahrt Maria, wobei er
dieselbe Versicherung von seinem nahen Tode wiederholte. „O,
mein Vater!" rief er im Andachtsgcfühle aus: „welch ein seliger
Tag war es für die Heiligen, da die allerseligste Jungfrau in das
Paradies einging! Ich bin überzeugt, daß sie alle Jahre, so wie
wir, durch ein besonderes Jubelfest dieses Andenken erneuern, und
ich hoffe, dem ersten Feste, das sie nun wieder fei'rn, beizu-
wohnen."
Niemand dachte an die Erfüllung dieser Vorhersagung, denn
seine Gesundheit blüthe in jugendlicher Kraft. Man bemerkte jedoch,
daß seine Handlungsweise mehr, als je zuvor, auf die große Reise
in die Ewigkeit gerichtet war. Am Tage des heiligen Laurentius
befand er sich gegen Abend etwas unpäßlich, und jetzt konnte er die
Freude nicht verbergen, welche der Blick in die ewige Heimatl) ihm
verschaffte. Er wurde in's Krankenzimmer geführt. Beim Eintritt
in dasselbe machte er das Kreuzzeichen über sein Bett, und sagte,
<r werde aus demselben nicht mehr aufstehen. Nachmittags verlor
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen