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Am 9. Jul i . 701
gekämpft hatten, zum nahen Tode ernstlich vorbereiteten. Beim
Eintritt in die Burg wiederholte Marinutz die eidliche Betheuerung,
daß das Leben Aller, die in derselben sich befinden, geschont werden
solle. Sofort ließ er sie auf einer großen Altane versammeln, und
hier schon mußten sie hart fühlen die rasende Wuth der Eroberer,
die, wilden Thieren gleich, über sie herfielen,- und unter groben Miß-
handlungen , denen Hieronymus oon Werden, vielleicht weil sie ihn
seines ehrwürdigen Alters wegen für den Quardian halten mochten,
mehr als alle Andern ausgesetzt war, rein ausplünderten. Hierauf
wurden sie in die Küche gesperrt, und einige Zeit hernach in den
Hof der Burg gebracht. Da erschien Marinus, welchem ein Bür-
ger der Stadt, weil es Nacht war, vorleuchtete, der in seiner Gott-
losigkeit sich rühmte, daß er eben so die nämliche Fackel am un-
längst gefeierten Fronleichnamsfeste vor dem hochwürdigsten Gute
hergctragen habe. Nun wurde ein Vcrzcichniß aller Gefangenen
aufgenommen, und schon waren insgeheim einige Bürger der Stadt,
welche die Geusen und die neue Religion begünstigten, in ein nahe
gelegenes Gemach gebracht, um ihnen dasselbe vorzulegen, und von
ihnen eine genaue Kunde von den Gesinnungen der Aufgezeichneten
zu erhalten. Ein Bürger wurde sogleich von den andern Gefange-
nen abgesondert, in's Gefängniß gelegt, und bald darau, , gegen
Schwur und Eid, auf öffentlichem Platze gehängt, weil er die Mit-
bürger zum Kampfe gegen die Aufrührer ermahnt, und diese Kirchen-
diebe genannt hatte. Mittlerweile drängten sich mehrere Bürger
Gorcums, die dem neuen Irrthume anhingen, in den Vorhof zu
de» Gefangenen, denen sie die rohesten Mißhandlungen durch Spott-
und Lästerreden zufügten. Am Meisten mußten die Geistlichen er:
dulden, die aber dem frechen Muthwillcn unermüdliche Geduld ent-
gegensetzten. Der Commandant der Burg, der eben so unerschrocken,
als schön sich auf die an ihn gestellten Fragen verantwortete, wurde
in ein Gefängniß abgeführt, und nun waren die Andern noch mehr,
als zuvor, dem beißendsten Spotte, den bittersten Vorwürfen, den
schwersten Lästerungen und fürchterlichen Drohungen ausgesetzt; mit-
unter wurden ihnen aber auch glänzende Verheißungen a/macht,
w?nn sie zu der neuen Sekte sich erklären wollten. Sie ertrugen
jene geduldig, und wiesen diese standhaft von sich. —
Diese Gefangenen machten mit einer Bescheidenheit, d>e dem
rechtschaffenen Christen ziemt, Vorstellungen gegen ihre Behandlung,
erinnernd an das eidliche Versprechen, welches Marinus gemacht
hatte. Allein auf einmal entstand das Gerücht, daß die Geistlichen
und Mönche getödtet, und die Uebrigen nach Dordrecht zur weitern
Verfügung abgeführt werden sollten. Von Diesen und von Jenen
wurden dadurch Mehrere sehr bestürzt; aber kräftig wieder ermuntert
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen