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702 Die heiligen Märtyrer von Gorcum, in Holland.
durch daS Zureden und durch den unerschüttertcn Muth des Pfar-
res Wechel, und des Quardians Pic. Vielen Bürgern der Etadt
Gorcum gingen »un auch die Augen auf. Sie überzeugten sich und
bereuten es, daß sie durch die Verheißungen der treulosen Geusen
sich haben täuschen lassen. Auf solche Weise war der Tag, der auf
die unglückliche Nacht folgte, in welcher die Burg den Geusen über-
geben war, bereits vorüber gegangen, als nun die Mönche in ein
besonderes Gemach gebracht, und alle Andern in einen Kerker ge-
sperrt, aus dem aber die Lasen gegen ein bedungenes Lösegeld ent-
lassen wurden. Jemand schlug dem Quardian vor, insgeheim ihm
die Freiheit zu verschaffen; er aber weigerte sich dessen mit der Er-
klärung , daß er seine Brüder nicht verlasse. Die Geistlichen und
Mönche wurden jetzt zusammen in das nämliche Gefängniß verschlos:
scn. Man brachte ihnen Fleisch zu essen, von dem aber nur ein
Einziger genoß. Die Andern, obgleich sehr hungrig, wiesen es, weil
Freitag war, und das Fleisch ihnen zum Höhne gegen das katho-
lische Fastengcbot gereicht wurde, staudhaft von sich, auf daß sie
nicht den Schwachen ein Aergerniß geben. Auch im Gefängnisse
hatten die muthvollcn Bekcnncr sehr viel zu leiden von dem Muth-
willen der geusischcn Soldaten, die in der Burg als Besatzung wa-
ren, und, wie es ihnen einfiel, in das Gefängniß eindrangen, sie
fürchterlich mißhandelten, und mehrmal in Todesschrecken versetzten.
Unter Schlagen und Todesbcdrohung verlangten sie zuerst von den
jüngcrn Mönchen, dann von dem Pater Vikar, und endlich von dem
Quardian die Anzeige der verborgenen Klosterschätze. Als dieser
standhaft darauf beharrete, daß sie als arme Mönche keine Schätze
besitzen, geriethen sie in Wuth, warfen ihn auf den Boden, lösten
den Strick von seinem Leibe ab, schnürten ihm denselben um den
Hals, und schleppten ihn von einem Winkel des Kerkers in den an:
dern und hängten ihn endlich vor der Kerkcrthüre auf. Der Strick
brach und der Gequälte siel, wie todt, auf den Boden. Zu erfor-
schen, ob er wirklich todt sey, brannten sie mit einem Lichte seine
Ohren, seine Nase, seine Wangen, ja sogar das Innere seines Mun-
des, den sie gewaltsam öffneten. Endlich ließen sie ihn liegen, und
gingen in teuflischem Jubel davon. Auch die Gefangenen hielten
ihren Leidensgenossen für todt; dieser aber erholte sich und kam nach
einer Stunde wieder zur Besinnung und zur Sprache. Sein Ge-
sicht war ganz entstellt, und sein Mund sehr schmerzend von den
Brandblasen. Dieß geschah in der ersten Nacht, welche die Beken-
ner im Gesängnisse zubrachten. In den folgenden Tagen und Näch-
ten setzten die unmenschlichen Soldaten ihr höllisches Unwesen auf
verschiedene Weise fort, mit frecher Verhöhnung alles dessen, was
dem Katholiken in seiner Religionsübung heilig ist. Ein Mönch,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen