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Am 10. Oktober. 707
der Kaiserin; auch berief er ihn, weil seine Klugheit und Redlichkeit
ihm bekannt war, vielfaltig in seinen Rath. Er mußte im Jahre
15Z,'i den Kaiser in den Krieg gegen Barbarossa, und in dem fol-
genden Jahre i>. den Feldzug gegen Frankreich begleiten. Zwei ge-
fährliche Krankheiten, die ör in den Jahren 15?<,'> und 1537 über-
stehen mußte, läuterten sein Herz vollkommen, und ertödtctcn in
demselben ganz die Liebe der irdischen Dinge. Er las jetzt mehr,
als je zuvor, in der heiligen Schrift, in den Lcbensgeschichten der
Heiligen, und andern geistlichen Büchern. Zum ernstlichen Nachden-
ken über die Vergänglichkeit des Irdischen, und über die Hinfällig-
keit des menschlichen Lebens veranlaßten ihn der Tod seiner Groß-
mutter, seines Herzensfreundes Garcilas de Vega, und der Kaiserin
Isabella, deren Leiche er nach Granada begleiten mußte. Da sah
er, als der Sarg geöffnet wurde, das fürchterlich entstellte Angesicht
der Verblichenen, und sagte zu sich selbst: „Wo sind jene glänzen-
den Augen? Was ist geworden aus dieser Schönheit, die wir vor
Kurzem noch bewunderten? Bist du es, Donna Isabella? Ist
das die Kaiserin, meine Fürstin, meine Gebieterin?" Der Eindruck,
den diese Betrachtungen auf seine Seele machten, erlosch nur mit
seinem letzten Athemzuge. Die folgende Nacht brachte er schlaflos
zu; in seinem Zimmer auf den Knieen liegend, und in Thränen zer-
fließend , ftgte er zu sich: „O meine Seele! was kann ich in der
Nelt noch suchen? Wie lange noch werde ich einem leeren Schat-
ten nachjagen? Was ist geworden aus jener Fürstin, die uns so
schön, so erhaben, so würdig unserer Verehrung vorkam? Der Tod,
der solchermaßen mit dcm kaiserlichen Scepter verfährt, wird auch
mich treffen, und bald. Ist es nicht weise, seinen Schlägen vorzu-
beugen; indem ich von diesem Augenblicke an der Welt absterbe,
auf daß ich nach meinem Tode in Gott leben könne?" Hierauf
flehte er den Himmel an, ihn aus dcm Abgrunde seiner Armselig-
keiten zu befreien, ihn zu erleuchten, zu stärken durch seine Gnade,
auf daß er gekräftiget durch sie, nie aufhöre, einen Herrn zu lieben,
bei dem allein Ruhe und Glückseligkeit zu finden ist. Die bei der
Beerdigung der Leiche von Johann von Auila gehaltene Leichenrede,
in welcher der große Geistesmann die Thorheit und die Gefahr der-
jenigen, welche gedankenlos und flüchtig durch dieses Leben hineilen,
lebhaft schilderte, vollendete seine Bekehrung. Er berief den Johann
von Avila zu sich, und eröffnete ihm seine Absicht, die Welt auf
immer zu verlassen. Der Diener Gottes kräftigte ihn in seinem
Vorhaben, und Franziskus machte das Gelübde, in einen geistlichen
Orden zu treten, wofern er seine Gemahlin überleben sollte. Der
Kaiser aber, weit entfernt in dessen Absicht einzugehen, ernannte ihn
zum Vicekönig von Katalonien, und zum Ritter und Commandeur
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen