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714 Die vierzig brasilianischen Missionäre, Märtyrer.
beim Leben geblieben waren, genaue Kunde würde eingezogen haden.
Hierauf schenkte er den Soldaten, deren nur noch fünfzehn übrig
waren, dann den Matrosen und den gemeinen Reisenden das Leben.
.)Die Jesuiten aber/- schrie er seinen Leuten zu, die vor Wuth
schnauoten, und kau»! den Augenblick, sich in dem Blute der schuld-
losen Schlachtopfer abzukühlen, erwarten konnten, „tödtct! Metzelt
sie nieder diese vcrsluchccn Papstler, die nach Brasilien wollen, um
daselbst das Reich des Antichrists aufzurichten." Wie Rasende
machten sie sich über dc» Palcr Äzeoedo her und über die neun an-
dern Missionare, die mit ihm das verwundete SchiffSuolk pflegten.
Azevedo hatte mehrere Wunden erhalten, sein Licdeseifer ihn aber
dieselben »icht empfinden lassen. Alb cr die Wüthende» auf sich zu-
laufen sah, wandte cr sich zu seine» Brüdern und sagte: .Muthig,
meine Brüder! Laßt uns uiiser ^ebc» fur einen Goitmcnsche» freu.-
dig hingeben, der das seinige zuerst für uns geopfert hat," und
stellte sich dann heitern Angesichtes den Mördern dar. Sie bemerk,
ten, daß er das Haupt der Uedrigen sey, und wählten ihn deßhalb
zum ersten Schlachtopfcr ihrer Gottlosigkeit. Einer aus ihnen trat
näher hinzu, und spaltete ihm mit einem Säbelhiebe den Hops.
Das Blut ergoß sich aus der Wunde so häusig, daß der Mörder
vor Entsetzen abtrat; allein vier andere »ahmen die leere Stelle ein,
durchstießen den auf den Boden Hingesunkenen mit Lanzen. Noch
lebte der Maili'rer. Er gammelte die letzten Hiafic und r,ef: „Ich
nehme die Engel und Menschen zu Zeugen, daß ich in der katholi-
schcn, apostolische», ronnschc» Rirebe sterbe, — mit Freuden sterbe
ich für eine so schöne Sache." Darauf kehrte er die bereits erlö-
schenden Augen seinen dcttübte» Mitbrüdern zu, und sprach: „Freuet
cuch mit mir über das, worin meine ganze Glückseligkeit besteht.
Euch wartet ein gleiches Glück, ich gehe nur eine» Augenblick vor-
aus , heute noch werden wir Alle, wie ich von der Güte Gottes
hoffe, bei einander im Himmel seyn." Die Calviner staunten eine
Weile über eine solche Standhaftigkcit, sielen aber bald mit erneu-
tem Grimme über den Sterbenden her, der e,n Muttergotteobild in
der Hand I'iclt, welches sie ihm, wie erzählt wird, nicht zu entrei-
ßen vermochten, und warfen ihn sammt dem Bilde in das Meer.
Als Azevcdo den ersten Säbelhieb empfing, ertheilte ihm der Puler
Andradrez die Lossprechung. Ergrimmt darüber, daß man sich un:
terstche, eine katholische Religionshandlung unter iliren Augen zu
verrichten, zerstachen ilm die Rasenden mit Dolchstichen, und warfen
ihn über Bord. Wenige Schritte von ihm legte Bencdikt Castro
mit dem Kruzifix in der Hand sein Glaubensbekenntniß mit lauter
Stimme ab. Man jagte ihm drei Kugel durch den Leib, welche
ihn auf den Boden hinstreckten, und als cr sich noch aufrichten
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen