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Am 1.',. Oktober. 719
fünfzehnten Jahre nicht allein im Hause zu lassen. Die ersten acht
Tage siel ihr der Aufenthalt im Kloster ziemlich schwer, weil sie
fürchtete, ihr voriges Betragen möchte ruchbar werden. Nachher
aber verschwanden diese Besorgnisse, und sie befand sich daselbst bes-
ser, als in des Vaters Hause. Sie freute sich, bei so guten Frauen
zu seyn, die viele Tugend, Frömmigkeit und Ordnungsliebe besaßen.
Sie sing an, wieder getreulich zu befolgen die guten Gesinnungen,
wclche Gott von Jugend auf in ihr Herz gelegt hatte. Unter den
Klosterfrauen gewann Theresia vorzüglich die Vorsteherin der Kost-
gängerinnen lieb, eine durch Bescheidenheit und Frömmigkeit ausge-
zeichnete Jungfrau, wclche mit vieler Salbung von Gott, »nd von
den Belohnungen redete, welche jene envarten, welche um ihres Heils
willen auf Alles Verzicht leisten. Solche Gespräche weckten in The-
resia allmählig die Sehnsucht nach himmlischen Gütern, und schwäch-
ten ihre bisherige Abneigung gegen das Klosterlcben. Achtzehn Mo-
nate hatte sie in diesem Kloster eine vortheilhafte Bildung erhalten,
als sie anfing, in glühenden Gebethen Gott um Erleuchtung anzu-
stehen hinsichtlich der Standeswahl, von der sie aber wünschte, daß
sie nicht auf den Ordensstand fallen möchte, obgleich sie dem Ehe-
stand eben so abgeneigt war. Es war zwar in ihrem Herzen ei-
nige Neigung zum Klosterleben entstanden, aber bald wieder ver-
schwunden. Nun ward sie heimgesucht von einer schweren Krank-
heit , die sie nöthigte, zu ihrem Vater zurückzukehren. Nach der
Genesung befand sie sich einige Zeit bei ihrer Schwester auf dem
Lande, wo sie viele Liebe genoß. Bei diesem Anlasse besuchte sie
ihre» Oheim, .Petrus Sanchez von Copeda, einen Mann von ge-
pnifter Tugend, der sich bemühte, ihr eine bleibende Liebe zur Fröm-
nn.^eit einzustoßen, und in dieser Absicht ihr gute Bücher in die
Hände gab, in denen sie aber mehr an^ Gefälligkeit, als aus Nci-
quü-> las. Deß ungeachtet lernte sie, jetzt mehr als je, erkennen,
daß die Welt' nur eitle Thorheit sey, und Alles wie ein Traum ver-
gehe. Sie kehrte nach einiger Zeit wieder in das väterliche Haus
zurück, und strebte drei Mo»>,..e lang, ihren angewöhnten Widerwil-
len gegen daü geistige Leben zu bekämpfen. Dabei war ihre Ge-
sundheit immer schwächlicher, und Alles schien ihr anzudeuten, daß
sie die strengen Uebungen des Klosters nicht zn ertragen vermöchte.
Durch die Bliese des heiligen Hieronymus ward sie aber endlich so
sehr begeistert, daß sie plötzlich ihrem Vater die Absicht, dem Herrn
sich zu wechen, eröffnete. Nachdem sie dieses gethan hatte, empfand
sie eine solche innere Freude, daß nichts mehr im Stande gewesen
wäre, in ihrem Entschlüsse sie wankend zu machen. Allein der Va-
ter wollte, aus zärtlicher Sorge für ihre Gesundheit, die Einstim-
mung Zur Ausführung desselben jetzt noch nicht geben. Sie aber
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen