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720 Die heilige Theresia, Iungftau und Ordensstifterin.
ging eines Morgens, weil das Bcwußtsenn ihrer Schwäche sie Ge-
fahr in der Verzögerung erkennen ließ, zu den Carmcliterinnen von
der Menschwerdung, um sich unter die Novizinnen aufnehmen zu
lassen. Dieser Schritt that ihrem Herzen sehr wehe, weil es sie
große Ueberwindung kostete, ihren Vater zu verlassen. Allein die
Gnade siegte über die Natur. Theresia bekam bald das Ordens:
kleid. Dabei wandelte Gott ihre Herzensdürre in eine übergroße
Zärtlichkeit um. Alle Uebungen des Hauses gereichten ihr zur
Freude; zu Allem verstand sie sich mit dcmuthsuoller Unterwerfung,
und empfand nun mehr Vergnügen an den Uebungen des Gehör-
sams, als sie je in der Befriedigung ihrer Eitelkeit empfunden hatte.
Sie fühlte sich so selig, von dem Tande und den Thorheiten der
Welt befreit zu seyn, daß sie nicht begreifen konnte, wie eine solche
Umänderung in ihr schnell bewirkt worden. Sie hatte indessen auch
manches Unangenehme zu erdulden. Man legte ihr oft ohne Ur-
sache Dinge zur Schuld, die von keiner Bedeutung waren; dieses
ertrug sie mit unbeschreiblicher Mühe, weil ihr Alles an der allge-
meinen Achtung gelegen war. Auch bildeten sich die Schwestern
ein, sie sey nicht zufrieden, weil sie d,e Einsamkeit liebte, und man
sie zuweilen in Thränen überraschte. Allein sie vergoß diese nur
über ihre Sünden. Nach bestandener Prüfungszeit legte sie mit
außerordentlichen Gefühlen der Andacht im November 15,j4 die Ge-
lübde ab.
Die Gesundheit der Theresia wurde durch die veränderte Kost,
und durch die, von der Ordensregel vorgeschriebenen, Abtödtungen
auf's Neue zerrüttet. Ihr Vater bot Alles auf, zur Wiederherstel-
lung derselben. Da das Bemühen der Aerzte zu Avila fruchtlos
war, wurde sie, begleitet von ihrer Ordensschwester Theresia Sua-
rez, die sie zärtlich liebte, nach Bazeda gebracht. Aber auch da er-
schöpfte sich die Kunst der Aerzte vergeblich. Ein fortwährendes
Fieber, großes Herzweh, und ein brennendes Feuer in den Einge-
weiden , ließen ihr endlich, weder bci Tag, noch bei Nacht, einige
Ruhe. Sie versank in tiefen Trübsinn, und es wäre um sie ge-
schehen gewesen, wenn nicht der Herr, der sie noch weit schwereren
Prüfungen aufbewahrte, dieser sonderbaren Krankheit Einhalt gethan
yätte. Man brachte sie nach Avila zurück, und nach vier Monaten
der unbeschreiblichsten Schmerzen erfolgte am 15. August 1537 eine
so starke Ohnmacht, daß man sie für todt hielt.' Die Ohnmacht
dauerte fast vier Tage, ohne daß man rin Lebenszeichen wahrneh-
men oder bewirken konnte. Schon war ihr Grab offen, und in ei-
nem Kloster ihres Ordens der Traucrgottesdienst für sie gehalten,
als sie aus ihrem Todesschlaf erwachte, und sogleich die heiligen
Sakramente begehrte. Sie beichtete und kommunizirte unter häufi-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen