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726 Die heilige Theresia, Jungfrau und Ordensstifterin.
daß man nichts Verdammliches an ihr finden konnte, und überließ
den wcitern Gang der Sache in ungestörter Ruhe dem Herr» , auf
dessen Hilfe allein sie vertraute. Erst nach zwei Jahren erdielt sie
die Erlaubniß, das neue Kloster, das sie zum heiligen Joseph
nannte, zu beziehen. Ihr folgten vier andere Nonnen, die sich ihr
beigesellt hatten, um die darin schon befindlichen Novizinnen zu un-
terrichten, und den Lhor zu halten. Bald wurden noch mehrere
aufgenommen, und die Stadt durch diese neue Genossenschaft so er-
baut, daß kein Widerspruch mehr erfolgte. Jene sogar, welche die
Aufhebung des neuen Klosters am thatigsten betrieben hatten, wur-
den dessen Beschützer und Wohlthäter.
Anfangs lebte Theresia in dem Kloster zum heiligen Joseph
unter ihren Mitschwcstern als eine einfache Klosterfrau. Der Bi-
schof hielt es aber für angemessen, ihr die Leitung zu übertragen.
Dadurch fand sie Gelegenheit, die seltene Gewandtheit, Andere zu
führen, die ihr Gott verliehen hatte, zu bethätigen, und Alles, was
sie von jenem Augenblicke an, bis zu ihrem Tode unternahm, trägt
das Gepräge einer starken und weisen Seele, welche sich durch die
Hindernisse nicht abschrecken, und durch einen blinden Eifer nicht
üb?r die Gränzen führen läßt. Sie führte in der neuen Genossen-
schaft eine beständige Abtödtung der Sinne und des Willens, an-
haltende Uebung des Gebethes, ununterbrochenes Stillschweigen, und
eine Armuth ein, daß die Nonnen nichts hatten z» ihrem Unter-
halte, als was sie durch Handarbeit verdienten, oder milde Hände
ihnen reichten. Ihre Kleider waren von grober Sarsche; statt der
Schuhe trugen sie Sandalen (daher ihr Name „unbcschuhte Lärme-
literinnen"); sie schliefen auf Stroh, und außer dem dringendsten
Nothfälle aßen sie niemals Fleisch. Diese Satzungen wurden im
Jahre 1562 vom Papst Piuö IV. bestätiget.
Das Kloster zum heiligen Joseph hatte vier Jahre bestanden,
als der Carmeliten-General, Rubro von Ravenna, es besuchte, und,
gerührt iion der Klugheit und dem Eifer der Theresia, ihr erlaubte,
nach eben diesem Plane noch andere Klöster, und darunter auch
zwei für Mannspersonen zu gründen. Das Hauptmittel, ihre un-
tergebenen Mitschwestern zur eifrigen Erfüllung ihrer Pflichten anzu-
regen, war das eigene Beispiel, mit dem die Dienerin Gottes ihnen
vorlcuchtcte. Sie war überall die Erste; wählte sich immer die
mühevollsten Vevrichturgen, ^nd überall brachte sie jenen Geist der
Ordnung, jene Zufriedenheit mit, welche das sicherste Wahrzeichen
ist, das nichts in Verlegenheit bringt, nichts mißlingt. Alle, auch
die aus den vornehmsten Fan^li'.'n, wetteiferten mit einander in der
Abtödtung, im Zuvorkommen u»d im Gehorsame. Alle liebten sich
wechselseitig mit heiliger Zärtlichkeit, und schätzten sich glücklich, un-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen