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732 Der heilige Carolus Borromäuö «.
mit der obersten Kirchcnleitung verbunden sind. In allen Handlun-
gen ließ er sich nur allein von dem Eifer für die Ehre Gottes, und
für das Recht, leiten; daher hatte nie das Ansehen der Personen
einen Einfluß auf sein Urtheil. Seine Uncigennühigkeit und das
dcmutysvolle Mißtrauen auf seine eigene Einsichten ward allgemein
bewundert; denn er hatte immer Männer von anerkannter Klugheit
und Tugend um sich, von denen er gerne Belehrung annahm, und
ohne deren Rath er nichts entschied. Der Papst hatte ihm auch
die Verwaltung des Gebietes von Bologna, der Landschaft von
Rom, und der Mark Ankona übertragen. Die Bewohner dieser
Provinzen sahen ihn als ihren Vater an, und genossen wahrend sei-
ner Verwaltung eincs großen Wohlstandes. Bei seinen zahlreichen
und schweren Arbeiten widmete er immer auch einige Zeit des Ta-
ges, und sehr oft der Nacht, dem Gebethe, dem Studieren und dem
Lesen frommer Bücher. Er beschützte kräftig die Gelehrten, und war
sehr bemüht, unter den Geistlichen die Liebe zu ihren Berufswissen-
schaften zu beleben. In dieser Absicht veranlaßte er öftere Zusam-
menkünfte von Geistlichen und Weltlichen im Vatikan, zum Zwecke
der Förderung der Wissenschaften und der Tugend. Hier besiegte er
auch durch fortgesetzte Uebung die Schwerfälligkeit seiner Sprache,
die ihm von Jugend auf eigen war.
Da er seinem Erzbisthume Mailand persönlich nicht vorstehen
konnte, was er doch sehnlichst wünschte, so verlangte er den Hiero-
nymus Fercagata zum Sufraganbischofe, und ernannte zum General:
vicar den Nicolaus Ormanetto, zwei Männer, deren Eiser und
Frömmigkeit erprobt waren. Dessen ungeachtet hatte er doch immer
Gcwisscnsunruhen über die Pflicht, seine Heerde selbst zu weiden,
obgleich seine Entfernung von Mailand nicht freiwillig war, und
seine gegenwärtigen Arbeiten das Wohl der ganzen Kirche bezweck-
ten. Mit kindlicher Offenheit entdeckte er seine Unruhe dem gottes-
fürchtigen und gelehrten Erzbischofe von Braga, Bartholomäus von
den Märtyrern. Dieser überzeugte ihn, daß er die Stellung, in der
er jetzt sey, und zu der ihn Gott berufen habe, nicht verlassen dürfe,
daß seine Arbeiten zum Wohl der ganzen Kirche seyen, daß er bei
seinem Oheim bleiben müsse, der wegen seines hohen Alters des
Beistandes bedürfe; daß er aber bereit seyn müsse, sobald er Gele-
genheit dazu finde, seiner Kirche in eigener Person vorzustehen. Da-
durch ward Carl beruhiget; wofür er Gott prils, gelobend, dessen
heiligen Willen fortwährend getreu zu erfüllen, und dazu ohne Un-
terlaß um Gnade zu bitten. Im Jahre 1562 starb sein einziger
Bruder. Carl ertrug diesen Verlust mit christlichem Starkmuth,
und als man jetzt in ihn drang, den geistlichen Stand zu verlassen,
und sich zu verehelichen, um seiner Familie zur Stütze zu werden.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen